Wort für die Woche

> Zum Wort für die Woche aus 2017 <
> Zum Wort für die Woche aus 2016 <
> Zum Wort für die Woche aus 2015 <

21.01.2018
Folge mir nach!
Gedanken zum Evangelium am 3. Sonntag Mk 1,14-20 von Pfarrer Ulrich Lindl

Hand auf´s Herz: Wäre ich mitgegangen? Oder hätte ich so weiter gemacht  wie bisher?
Sie sind mitgegangen. Simon und Andreas, Jakobus und Johannes sind seinem Ruf gefolgt. Ganz schön mutig! Damit steht eine klare Entscheidung am Anfang des Evangeliums. Ein Ja zu Nachfolge. Genau das hat Jesus gesucht: Nachfolger und er hat sie gefunden. Nachfolger sind Menschen, die ihm auf der Spur bleiben. Sie erleben, wie er lebt, hören, was sagt und sehen,   was er tut. Sie gehen bei ihm in die Schule. In seine Jüngerschule. So werden aus Nachfolgern Jünger des Herrn.

Natürlich gab es auch genügend andere, Zuschauer und Mitläufer. Auch sie begegnen uns immer wieder im Evangelium. Die meisten von ihnen treffen wir bei der Brotvermehrung. Sie haben was Tolles erlebt und sind ihm dann in Scharen nachgelaufen. Als Jesus aber das Event nicht nochmal steigen lässt, bleiben sie ganz schnell wieder weg. Wo sie geblieben sind, man weiß es nicht, man hat‘s vergessen…
Das macht den entscheidenden Unterschied: Zuschauer schauen bloß zu und Mitläufer bleiben irgendwann mal weg. Nachfolger aber bleiben dran. Heute würde man sie vielleicht Fans nennen.

Facebook-User kennen das doch alle. Was wird nicht schnell mal „gelikt“. Aber man kann auch Follower werden. Man bleibt dran, hält sich auf dem Laufenden, ist informiert. Das gibt’s auch im Fußball. Wir sind Fans, wir gehören dazu. Kennen den Spielführer, die Mannschaft, werden eine treue Fangemeinde. Wir halten zusammen – gerade auch in schlechten Zeiten. Echte Fans mögen nicht nur Fußball, die zeigen es auch. Beim FCA in Rot- grün-weiß!

Das ist im Fußball kein Problem. Und im Glauben. Nicht nur kurz mal liken. An Weihnachten, wenn das Kind so niedlich und klein ist. Sondern dran bleiben. Jesus herausholen, hineinnehmen ins eigene Leben. Damit er hineinwachsen und groß werden kann. Sich an ihm orientieren und leiten lassen, an ihm dranbleiben. Und sich zu ihm dann auch bekennen und das in aller Öffentlichkeit… In Ägypten lassen sich junge Christen sogar sichtbar ein Kreuz eintätowieren. Was für ein „Branding“ für einen, den so viele Christen oft verstecken. Man kann es auch öffentlich zeigen: Ich bin ein Christ! Ich gehe mit ihm, ich stehe zu ihm!

Damit sind wir wieder einen Schritt weiter: Aus Nachfolgern werden Zeugen. Die zeigen, wofür sie stehen und mit wem sie gehen. Aber es geht noch weiter. Jesus will nicht nur Nachfolger, die zu Jüngern werden und seine Zeugen sind. Er sendet sie dann auch aus.

Damit werden aus Jüngern Missionare. Die sich für Jesus auf den Weg machen, um Jesus dorthin zu bringen, wohin er selbst nicht gehen konnte. Am Anfang steht seine Berufung – am Ende seine Mission. So ist es am Anfang losgegangen. So ist es gut gegangen und so muss es gehen, wenn es weitergehen soll. Jesus will, dass es weitergeht: mit uns.

Vielleicht ist das ja auch die wichtigste Botschaft des heutigen Sonntagsevangeliums. Dass wir das Evangelium ganz persönlich nehmen. Dass wir die Namen der Jünger gegen unsere Namen austauschen. Vergessen wir nicht: wir alle sind längst berufen. Seit unserer Taufe heißen wir nicht nur Christen, wir sind es. Mit dieser Berufung lässt sich dann was anfangen. Nicht Mitläufer zu sein oder gar ganz weg zu bleiben. Sondern sich immer wieder in der Begegnung mit Jesus ansprechen zu lassen. Auf ihn zu hören, um dann mit ihm zu leben. Und so mehr und mehr zu seinen Jüngern zu werden. Darum geht es – damals wie heute. Dann erst wird es erst so richtig christlich-spannend!

Es bleibt freilich immer eine Herausforderung: „Komm, folge mir nach!“ Das war keine Sonntagsfrage. Jesus hat sie den Jüngern am Ufer des Sees Genezareth gestellt, mitten im Alltag. Wie würde ich darauf antworten? Was mach´ ich eigentlich gerade so tagtäglich? Das kann man mit sich selbst ausmachen. Aber wenn man ein Jünger Jesu werden will, dann klärt man das am besten mit ihm. Mittendrin im Alltag. Immer wieder. Auch im Leben der Jünger, die Jesus gefolgt sind, war das Event die Ausnahme. Und der Alltag die Regel. Aber kommt es nicht gerade darauf an, dass wir unseren Alltag mit ihm gestalten?

Erst wenn wir Jesus mit in unseren Alltag nehmen, können wir eine echte Weggemeinschaft mit ihm bilden, eine Wohngemeinschaft, eine Arbeitsgemeinschaft, eine Tischgemeinschaft, eine Gebetsgemeinschaft… und eine echte Lebensgemeinschaft wird daraus. Wir werden seine Jünger sein. Und dann auch seine Missionare. Missionare haben keine Transparente mit dabei, sie bringen Jesus mit, weil sie mit ihm leben, weil sie ihn lieben. Darin lag schon immer die Überlebenskraft christlichen Glaubens.

06.01.2018

Königlicher Besuch in der Staatskanzlei
Am 29. Dezember besuchte eine Sternsingergruppe aus Biberbach den Bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in der Münchner Staatskanzlei. Der hat sich diesen hohen Besuch in all den zehn Jahren seiner Amtszeit nie entgehen lassen. Seehofer dankte den Sternsingern für ihren Einsatz für eine menschlichere Welt und ermutigte sie, ihrem christlichen Glauben treu zu bleiben.
In unserer Pfarreiengemeinschaft am 6. Januar werden die Sternsinger im Pfarrgottesdienst um 9:00 Uhr in Affaltern und um 10:00 Uhr in Biberbach feierlich ausgesandt. Den Sternsingern sagen wir Vergelt´s Gott für ihren Einsatz und allen, die das Anliegen der Drei-Königs-Aktion unterstützen wollen, für ihre Spende. In sechzigsten Jahre ihres Bestehens steht die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder unter dem Motto „Gegen Kinderarbeit in Indien – und weltweit.“
Pfarrer Ulrich Lindl


Segen bringen-Segen sein
Gedanken zum Dreikönigstag von Pfr. Ulrich Lindl

Waren die Sternsinger schon da?
Ja, die Sternsinger werden erwartet. Sie gehören zu Weihnachten wie die Heiligen drei Könige zur Krippe.
Die fehlen am Anfang noch und kommen als letzte an, obwohl sie als erste aufgebrochen sind. Aber das hat ja auch seine Gründe.
Ob es 1800 km waren, wenn sie von Persien aufgebrochen sind. Oder gar 4000 km wenn sie,  was auch nicht unwahrscheinlich ist, aus Indien stammen. In jedem Fall hatten sie den längsten Weg zur Krippe.
Aufgebrochen sind sie, weil sie ein himmlisches Zeichen beobachtet hatten.
Der Himmel hat was mit der Erde zu tun! Daran glaubten diese Weisen fest. Himmel und Erde gehören zusammen. Ist und bleibt das nicht die Herzensbotschaft von Weihnachten?
Die Weisen, oder Magoi, wie sie der Evangelist Matthäus bezeichnet, waren wohl gelehrte Astronomen. Wenn sie aus Persien kamen, dann entstammten sie vermutlich einer hoch angesehenen und ebenso gebildeten Priesterkaste.
Wie viele es waren, wissen wir nicht. Origines spricht im 3. Jahrhundert erstmals von drei Weisen. Das hängt wohl mit den drei Gaben zusammen, die im Evangelium genannt werden. Kostbare Gaben mit einer tiefen Symbolkraft. Gold für einen König, Weihrauch für einen Priester und Myrrhe -noch heute ein Heilmittel gegen Entzündungen- als Zeichen des bevorstehenden Leidens.  Somit werfen die Gaben an der Krippe einen tiefen Blick in das Geheimnis des Mensch-gewordenen Gottessohnes.
Die Dreizahl wurde im 7. Jahrhundert dann auch auf die damals bekannten Erdteile bezogen: Asien, Afrika und Europa. Und einer war der Mohr. In der Kunst wurden die drei Weisen zudem   oft in den drei Lebensaltern des Menschen abgebildet. Ein Zeichen dafür, dass am Ende Weihnachten für alle wird.
Die Namen Caspar, Melchior und Balthasar gehen ebenso weit zurück. Und werden heute mit C+M+B zwischen den Jahreszahlen an die Eingänge der Häuser und Wohnungen geschrieben. Am besten übersetzt man sie mit dem Segensspruch „Christus mansionem benedicat“ – „Christus segne dieses Haus“.

Die Weisen haben nicht nur einen langen Weg zur Krippe, sie machen auch noch einen Umweg. Aber nicht wie vermutet im Palast des Herodes finden sie den neugeborenen König der Juden, sondern wie es im Buch des Propheten Micha (5,1) steht: in Betlehem.
Endlich dort angekommen sind alle gleich, die Hirten, diese einfachen Männer, die als erste dorthin gelangten, wie die Hochwohlgeborenen, sie alle gehen in die Knie, um dem Mensch-gewordenen Gottessohn, diesem zu uns heruntergekommenen Gott, möglichst nahe zu kommen. Dann kehren auf einem anderen Weg zurück in ihr Land.
Das ist wohl mehr als eine Streckenangabe. Sie waren wohl auch innerlich verwandelt von der Begegnung in Betlehem. Man kann nicht immer an der Krippe bleiben. Das ist wahr. Aber damit ist Weihnachten nicht vorbei. Weihnachten will den Menschen verwandeln, damit es auch weihnachtet mitten im Jahr.

Die Weisen aus dem Morgenland gehören zu Weihnachten wie das Kind in die Krippe
Sie zeigen uns, dass das Geheimnis der Menschwerdung allen Menschen gilt. Unabhängig von Bildungsstand, Alter und Herkunft  will Weihnachten alle Menschen erreichen, wenn auch nicht gleich schnell. Und der innere Zugang gelingt nicht von oben herab, sondern nur auf Augenhöhe mit dem Kind in der Krippe. Es lohnt wirklich, sich in das Geheimnis von Weihnachten hineinzuknien. Nur so kann der Mensch schließlich das Herz Gottes für uns Menschen spüren. Dieses Kindsein vor Gott wird Jesus später auch als einen Schlüssel zum Himmel bezeichnen. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…“

Wohl deshalb verstehen Kinder Weihnachten sofort. Die Kindersegnung an der Krippe ist dafür alle Jahre wieder ein anrührender Beweis, wenn die Kleinen das Jesuskind in die Arme nehmen, ganz behutsam und liebevoll. So will Gott, dass wir mit unserem Glauben, mit Jesus umgehen. Das ist keine Frage des Alters, sondern einer Einstellung, bei der der Glaube von Herzen kommt und zu Herzen geht.
Und dann soll das Kind auch wachsen. Auch das zeigen uns Kinder. Kinder wollen größer werden. Und dabei helfen Kinder Kindern seit 60 Jahren mit ihrer Sternsingeraktion.

300 000 Kinder machen sich mit der Botschaft von Weihnachten auf den Weg.
Freiwillig, aus weihnachtlicher Überzeugung und für eine gute Sache. Das ist die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. Eine Milliarde Euro haben sie bislang ersungen.

Unter dem Motto „Gegen Kinderarbeit in Indien und weltweit“ steht das Schicksal vieler Millionen Kinder im Mittelpunkt, die schon in jungen Jahren tagein tagaus  schwer arbeiten müssen.
Die Sternsingeraktion ist ein überzeugendes Beispiel, wie wir mit Weihnachten umgehen. Wir müssen Jesus annehmen, aus ganzem Herzen. Ihn in unser Leben nehmen und zusammen mit ihm die Welt im Sinne Gottes gerechter machen.
Friede auf Erden wird ja nur möglich, wenn es mehr Gerechtigkeit auf Erden gibt, dafür gehen die   Sternsinger auf die Straße und bringen Segen hier bei uns und für viele Kinder weltweit. „Vergelt´s Gott“ dafür!
„Segen bringen, Segen sein“,  ist das Leitwort der Sternsingeraktion, es gilt für alle Menschen, die guten Willens sind. Lassen wir uns vom Segen der Weihnacht anstiften für eine menschlichere Welt.

01.01.2018
Viel Glück!
Gedanken zu Neujahr von Pfarrer Ulrich Lindl

 „Viel Glück!“ Ein Wunsch den wir oft hören. Gerade zum Beginn eines neuen Jahres. Und man verbindet den Wunsch oft mit einem sichtbaren Zeichen: Einem kleinen Schweinchen oder einem Schornsteinfeger, einem Fliegenpilz oder einem vierblättrigen Kleeblatt. Wobei das Kleeblatt eigentlich ja nur Glück bringt, wenn man es durch Zufall findet -im Glücksfall eben.

Aber was ist eigentlich Glück?
Fragen wir zwei kleine rosa Schweinchen am Trog, so um die Mittagszeit. „Was gibt’s denn heute zu Mittag?“ fragt das eine Schweinchen das andere. „Schon wieder Perlen.“ grunzt das keineswegs glücklich zurück.
Irgendwie sollte man keine Perlen vor die… Sie wissen schon. Auf  Dauer macht das nicht glücklich. Macht dann wenigstens Geld glücklich? Die Antwort darauf ist schon sprichwörtlich geworden: „Geld allein macht nicht glücklich.“ Und der sprichwörtlich „goldene“ Käfig ist eben doch ein Gefängnis.
Natürlich schüttet der Gewinner eines Lotto-Jackpots zunächst einmal eine ganze Menge Glückshormone aus. Aber dann…? Ist es nicht sonderbar. Zwei Jahre danach –hat eine Studie ergeben- sind Lottogewinner mit ihrem Leben ähnlich zufrieden wie Menschen, die durch einen Unfall auf einen Schlag gelähmt wurden. Der Mensch gewöhnt sich eben schnell an sein Glück.
Aber vielleicht ist doch mehr dabei, wenn sich Menschen zu Jahresbeginn viel Glück wünschen. Da geht es wohl nicht um das kurze Glücksgefühl von Gewinn und Erfolg. Wir wissen doch zu gut, dass es beim Glück um mehr geht: um das Glück unseres Lebens- um unser Lebensglück. Das aber kommt oft ganz unspektakulär und ganz einfach daher. Man kann sehr wohl in seinen vier Wänden glücklich sein. Zwei Eheleute sind vielleicht schon viele Jahre ganz einfach glücklich miteinander. …glücklich mit ihren Kindern, glücklich im Beruf. Dieses einfache Glück gilt es zu schätzen und darum auch zu pflegen: die Ehe, Familie und Kinder, Beruf und Berufung, Freundschaften.
Manchmal muss man das Glück freilich auch verteidigen. Denn da lauert immer wieder ein Feind dem Glück auf. Und was ist der größte Feind des Glücks?

Das Glück, zufrieden zu sein
Der größte Feind des Glücks ist nicht das Unglück. Sondern die Unzufriedenheit. Unzufriedenheit wächst vor allem dort, wo ich mich vergleiche. Mein Leben mit dem Leben anderer. Meinen Erfolg, mein Haus, meine Partnerin mit… mit anderen. Nebenbei: beim Unglück anderer ist man mit dem Vergleichen nicht so schnell bei der Hand.
In der Presse war da eine interessante Untersuchung zu lesen. US-Soziologen fanden heraus, dass Geld nur im Vergleich zu anderen glücklich macht. Die Befragten einer Studie hatten die Wahl: Entweder sie verdienen 60.000 Dollar, ihre Kollegen aber nur 50.000 Dollar pro Jahr. Oder Option 2: Sie verdienen 80.000 Dollar, ihre Kollegen aber 90.000. Und obwohl im letzteren Fall die Befragten 20.000 mehr verdienten, entschieden sie sich für die erste Option.
Es ist eben doch ein gutes Gefühl im Vergleich mit anderen besser abzuschneiden auch wenn unterm Strich weniger übrig blieb. Über diesen Zusammenhang wusste schon Sören Kirkegaard bescheid, der es einmal auf den Punkt brachte: „Der Vergleich ist das Ende des Glücks!“ Warum sich also unglücklich machen und sich immer mit anderen vergleichen?

Der Mensch im Einklang
Damit ist die Tür gewiesen, durch die wir eintreten in das Glück. Glück findet der Mensch dort, wo er zufrieden ist mit sich. Darum geht es doch: dass ich zu mir finde und im Einklang mit mir lebe. Ein Mensch, der im Einklang mit sich ist, braucht nicht mehr. Was sollte er auch noch mehr wollen. „Ich mag mich, so wie ich bin!“ Glücklich wer das von sich sagen kann. Ein solchem Menschen kann so manches fehlen, und er hat doch alles – er hat sich selbst gefunden. Wer uns beim Suchen und Finden unserer selbst helfen kann und helfen will ist Gott!
Der Jahresrückblick einer großen Wochenzeitung kürte Gott einmal zur „Lichtgestalt“. Für uns Christen keine Überraschung. Gott ist Licht und keine Finsternis. Und Jesus Christus sagt von sich selbst: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt der geht nicht umher in Dunkelheit.“ So gesehen, ist Gott für uns Menschen ein Glücksfall und der Glückbringer schlechthin. In seinem Licht sehen wir das Licht. Und wir erkennen uns selbst. Weil wir von Gott erkannt sind. Wir dürfen uns annehmen, weil wir von Gott angenommen sind. Ja noch mehr, wir dürfen uns lieben, weil wir von ihm geliebt sind.
Dafür steht mit uns Maria am Anfang des Jahres. Neujahr ist das Hochfest der Gottesmutter. Mit ihr dürfen wir ruhig das vollkommene Glück verbinden, für das sie so empfänglich wurde, weil sie für Gott ganz offen war. Wir verbinden mit ihr keine äußeren Reichtümer. Aber diesen inneren Schatz, bei Gott Gnade gefunden zu haben. Maria war gesegnet unter allen Frauen.
Um diesen Segen wollen wir auf ihre Fürsprache bitten, damit die Zeit 2018 gut gelingt und glückt. Denn an Gottes Segen ist alles gelegen!

31.12.2017
Einen guten Beschluss!
Gedanken zum Jahreswechsel von Pfarrer Ulrich Lindl

Was wünscht man sich zu Silvester?
Oft und immer öfter hört man: „Einen guten Rutsch!“ Das kann ganz hilfreich sein bei Glatteis. Denn wenn man schon rutscht, dann doch bitte gut. Freilich will der Wunsch nicht aufs Glatteis führen, sondern gut hinüber in ein neues Jahr. Das „Rutschen“ stammt schließlich auch aus einer früheren Sprache und meinte Reise oder reisen. Seit 1820 findet sich im Wörterbuch „Guter Rutsch“ – als Wunsch für eine gute Reise! Vornehmlich für eine kurze Fahrt auf einem Schlitten. Es geht also um ein möglichst ruhiges Gleiten.
Im Fränkischen hingegen wünschen sich die Menschen vor allem eines: einen guten Beschluss! Und man merkt sofort, dass man sich da an Silvester nicht gleich auf den Weg macht ins neue Jahr, sondern erst einmal aufmerksam innehält, das zu Ende gehende Jahr bedenkt, bedankt und dann in aller Form verabschiedet. Eben gut beschließt.

Im Fernsehen folgt ein Jahresrückblick dem anderen und ich staune nicht schlecht, was sich in einem Jahr so alles ereignet. Aber gibt es das nicht auch für uns? Und unser Lebensjahr 2017. Silvester ist allemal ein Grund zu einem persönlichen Rückblick. Den wollen wir sieben Mal tun. Zwischen den Jahren haben wir ja gefühlt mehr Zeit, sind wohl alle etwas entschleunigt – mithin gute Voraussetzungen, sich selbst etwas näher zukommen.
Ich habe Fragen an Menschen aus unserer Pfarreiengemeinschaft gestellt. Antworten, die uns anregen sollen weiterzudenken im Blick auf uns. Und nicht zuletzt wollen wir Gott einen Blick auf das zu Ende gehende Jahr werfen lassen. Denn er hat es uns schließlich auch anvertraut. 

Worüber haben sie sich besonders gefreut?
„Da muss ich nicht lange überlegen… In diesem Jahr habe ich mich gefreut, dass meine beiden Patentöchter gesunde Kinder geschenkt bekommen haben.“

Freude ist mehr als Spaß. Freude kommt von innen. Aus dem Herzen. Was war für mich Grund zur Freude in diesem Jahr? Freude schenkt Lebenskraft. Darum gilt es die Freude ernst zu nehmen. Sie zu hegen und zu pflegen. Ob es die Familie ist, gute Freundschaften, eine Aufgabe, die mir Freude macht… mein Glaube…
Im Buch Nehemia lesen wir:

„Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“

Was hat sie in diesem besonders traurig gestimmt…
„Ich war heuer auf Beerdigungen von guten Freunden und musste die Hilflosigkeit der Angehörigen erkennen. Ich habe gespürt, wie Angehörige ihre Lebensfreunde verloren haben, keine Hoffnung mehr in sich trugen. Dies hat mich besonders traurig gestimmt.

Trauer ist traurig. Aber zugleich auch kostbar.
Wir betrauern nur, was uns vertraut, lieb und teuer geworden.
„In der Trauer lebt die Liebe weiter.“  Frankl
Nehmen wir uns Zeit für die Trauer. Trauer braucht Zeit.
Wenden wir uns der Trauer zu. Damit wir getröstet werden.

Jesus versprich: „Selig sind die Trauernden, denn Sie werden getröstet werden.“

 Was hat sie in diesem Jahr besonders überrascht?
„Besonders überrascht hat mich, wie viele Vorschläge zum Pfarrgemeinderat eingegangen sind.“

Das Leben steckt voller Überraschungen.
Überraschungen haben es in sich. Sie sind das Gegenteil von Alltag. Lieber sind uns natürlich die positiven Überraschungen. Aber auch schwierige Herausforderungen können das Leben weiter bringen. Auf alle Fälle darf uns das Leben nie zur Gewohnheit werden.
Nicht zuletzt verdanken wir Jesus immer wieder überraschende Impulse für unser Leben.

„Maria sagte zu den Dienern: was er euch sagt, das tut.“

 Was hat Sie besonders geärgert?
„Geärgert habe ich mich immer wieder über mich, wie wenig konsequent ich in manchen Dingen gewesen bin. Und geärgert habe ich mich über die Politiker, die nicht miteinander reden können.

Ärger ärgert. Damit das nicht so bleibt, lohnt es sich, dem Ärger auf den Grund zu gehen. Das gelingt am besten, wenn man versucht zu verstehen. Und verstehen kann man am besten, wenn der Ärger sich gelegt hat. Warum habe ich mich eigentlich geärgert? Darüber lohnt sich auch in aller Ruhe nachzudenken, darüber zu reden… Auch mit Gott.

Der Epheserbrief will davor bewahren, dass ich der Ärger festsetzt und verhärtet, wenn er uns rät: „Die sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen!“

Welche Freundschaft ist mir in diesem Jahr besonders wichtig gewesen?
„Freundschaft ist für mich ein sehr wertvoller Begriff. Da ich ein Einzelkind bin, schätze ich diese umso mehr. Ich bin sehr dankbar, wenn mich meine Freunde Schwester nennen und ich weiß, dass sie es auch ehrlich meinen. Dass sie mit mir im Glauben unterwegs sind, macht sie, für mich, zu wahren und überaus wichtigen Wegbegleitern. Auf sie kann ich mich ganz einfach verlassen.”
Es müssen nicht viele sein. Dafür aber auch gute- Freunde. Wie oft man sich sieht ist oft gar nicht so wichtig. Man versteht sich, kann sich aufeinander verlassen. Freundschaften macht man nicht, sie werden geschenkt. Und machen unser Leben reich. Beziehungsreich.

Im Buch Jesus Sirach wird die Freundschaft geradezu besungen: „Ein treuer Freund ist eine starke Stütze, wer einen solchen findet, hat ein Vermögen gefunden.“

Wo war mir mein Glaube eine echte Hilfe?
„So konkret kann ich es Ihnen leider nicht sagen.
Ich spüre aber, dass ich ohne meinen Glauben nicht kann. Das ich diesen, meinen Glauben immer und überall brauche.
Mein Glaube ist ein Teil von mir, zu jeder Zeit, an jedem Ort, der mich in guten und in schlechten Zeiten leben lässt.
Glaube ist aber auch Gefühl, Emotion, ….. und muss nicht zu jeder Zeit erklärbar sein! Glaube ist für mich Hilfe und Unterstützung in allen Lebenslagen.“

Glaube schenkt Vertrauen.
Ich muss nicht aus eigener Kraft leben.
Ich habe auch nicht alles im Griff.
Und schon gar nicht im Kreuz.
Gott sei Dank sind wir erlöst.
Das macht uns gelassen und gelöst.
Das ist eine zutiefst lebensfrohe Botschaft! Und schenkt einen vertrauensvollen Anfang für ein neues Jahr.

Denn so spricht Christus, der Herr: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Joh 11, 25)

Was hat mich in diesem Jahr so richtig glücklich gemacht?
„Besonders glücklich war ich, als unsere Ministranten im  Februar den Fußballcup gewonnen haben.“

Beim Thema „Glück“ viel hängt davon ab, wieviel ich mir vom Glück erwarte.
Wenn man zu viel erwartet, ist die Gefahr groß, dass man enttäuscht wird.
Es gibt wirklich das kleine Glück, das wirklich glücklich macht.
Und doch werden wir in dieser Welt nie ganz und für immer glücklich sein.
Darum gibt es in unserer Seele eine Sehnsucht nach mehr.

„Kein Auge hat gesehen, was Gott denen bereitet, die ihn lieben.“

30.12.2017
Heil ig e Familie
Gedanken zum Sonntag in der Weihnachtsoktav von Pfarrer Ulrich Lindl

Wer kann wirklich mitreden beim Fußball? Fußballer. Wer kann wirklich mitreden beim Steuerrecht? Steuerrechtler und Steuerberater. Wo wir alle mitreden können, ist… richtig: Familie. Jeder hat sie miterlebt. Familie wurde uns allen mit in die Wiege gelegt. Wir konnten und wir mussten sie nicht lange aussuchen. Familie ist die erste und wohl nachhaltigste Mitgift des Lebens. Mit einem lebenslangen Entwicklungspotential!

Familie braucht der Mensch
Und wir alle werden wohl einer Meinung sein. Jeder Mensch braucht Familie. Gute, tragfähige, belastbare Familien. Gerade Menschen, die nicht in idealen Familienverhältnissen aufgewachsen sind -und welche Familie wäre schon ideal- wissen, wie wichtig Familie ist.
Sie ist der Ort des Vertrauens. Urvertrauen wird in der Familie erfahren. Grundvertrauen, das für späteres Selbstvertrauen so wichtig ist.
Familie ist auch der Lernort des Zusammenlebens und des Zusammenhalts. Hoffentlich haben Sie in der Familie aber auch gestritten. Auseinandersetzungen zu führen und zwar konstruktiv, weil man ja hinterher weiter miteinander auskommen muss…
Familie ist der Lernort fürs Leben und das lange vor der Schule. Und gerade in den ersten beiden Lebensjahren lernt der Mensch entscheidende Lebenseinstellungen: Liebe aus Beziehung, Vertrauen aus Geborgenheit.
Die Familie ist der Wurzelgrund eines heranwachsenden Lebens. Aber zugleich auch die Keimzelle jeder Gesellschaft. Wie die Gesellschaft in Zukunft aussehen wird, entscheidet sich schon heute in den Familien. Denn die Kinder von heute sind die Eltern von morgen. Darum ist gute Familienpolitik die nachhaltigste Zukunftspolitik.
Stabile Familien sind Stabilisatoren jeder Gesellschaft. Das, was politisch immer wieder angemahnt wird: Gemeinwohl und Solidarität, Streitkultur, Toleranz und Konsensfähigkeit, sozialer Ausgleich und Dialogbereitschaft zwischen den Generationen findet alltäglich in unseren Familien statt und wird dort auch zuerst eingeübt. Aus gutem Grund stehen darum gemäß Art.6 des Grundgesetzes die Ehe und Familie „unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung“ und er fügt gleich hinzu: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“
Es tut schon weh, wie viele Kinder in zersplitterten Partnerschaftsmodellen selbst suchen müssen, wer was für sie ist. Manchmal ist es so kompliziert geworden, dass selbst Erwachsene kaum noch durchblicken. Es gibt kein Recht auf ein Kind, aber ein Kind hat ein Anrecht auf seine Eltern. Dass zehn Prozent der Kinder sozialhilfebedürftig sind, ist die materielle Seite der Verarmung. Dass viele Kinder ihren Vater vermissen und die Liebe einer Mutter, ist die emotionale Kehrseite. Familien müssen wir hegen und pflegen. Dabei geht es auch um die politische Umsetzung des Schutzes, den unsere Verfassung der Familie gewährt. Die Familie bringt´s – schon  heute, für morgen. Kinder aus stabilen Familien tun sich leichter. Die Familien sind schon heute der wichtigste Standortfaktor einer Gesellschaft von morgen. Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft können wir uns nicht wünschen!

Gott kann mitreden
Auch Gott kann mitreden beim Thema „Familie“. Das ist ja das Glaubwürdige an unserem Glauben. Wir glauben an einen Gott, der Mensch geworden ist in allem uns gleich außer der Sünde.
Wenn wir die näheren Umstände anschauen, kann Gott aus eigener Erfahrung überall mitreden. Eine ungewollte Schwangerschaft. Maria musste sich zum Ja für ihr Kind erst entscheiden. Ein Vater, der nicht der leibliche Vater ist. Und schließlich dennoch die Fürsorge übernimmt. Eine schwere Geburt, die Flucht nach Ägypten. Die Heimatvertriebenen von früher und die Asylanten von heute werden sich verstanden fühlen.
Auch die Ablösungsprozesse eines Heranwachsenden Zwölfjährigen im Tempel werden eigens erwähnt. Und dann wird es still um das Familienleben in Nazareth. Auch das ist ein wichtiger Hinweis zur Familie. Familie braucht einen Schutz nach Innen vor Einflüssen von außen. In Familien sollte man sich nicht vorschnell einmischen.
Eines geht uns in der Weihnachtszeit auf: Gott macht Mut zur Familie. Gerade in schweren Zeiten. Gerade deshalb, hat Gott auf eine, auf diese Familie nicht verzichten wollen. Auf jeden Fall kann er Mut machen, all jenen, die gerade unter schwierigen Familienumständen leiden.

Christlicher Glaube ist Familienreligion
Ja noch mehr. Die Familienstruktur wird zur Prägung unseres Glaubens. Unser Glaube ist Beziehungsreligion, genauer Familienreligion. Jesus nennt Gott seinen Vater, unseren Vater und erklärt uns so zu Brüdern und Schwestern.
Wir haben uns nicht gesucht. Freundschaft und Sympathie spielen keine Rolle. Wir gehören zusammen, weil wir verwandt sind. Das verbindet ein Leben lang. Wir sind miteinander und füreinander Christen, die miteinander leben, sich im Glauben stärken, und füreinander beten. Und füreinander Verantwortung tragen. Über Grenzen hinweg. Gestern war die Aussendungsfeier der Sternsinger. 60 Jahre gibt es diese größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. Über 300 000 Buben und Mädchen machen sich auch heuer wieder auf den Weg. Über eine Milliarde Euro wurde bislang in Deutschland gesammelt. Ein lebendiger Beitrag zu Weihnachten, der den Glauben aus der Krippe holt und sich auf den Weg macht für andere. Wir gehören alle zusammen. Wir sind alle eine Familie.
Die Familie ist die Keimzelle des Glaubens, Kirche im Kleinen, wie das II. Vatikanische Konzil betont. Wie die Zukunft unserer Kirche aussieht,  entscheidet sich schon heute in unseren Familien.
Die Familie bringt‘s; daran glaub ich!

24.12.2017
Wie weit ist es nach Betlehem?
Das hängt ganz davon ab, wer sich da auf den Weg macht.
Die hochgebildeten Weisen aus dem Morgenland, diese Magoi sind einem Stern gefolgt, einer Himmelsentdeckung auf der Spur. Ob sie nun aus dem ehemaligen Persien kamen –dann hatten sie 1500  Kilometer zurückzulegen- oder gar aus dem 4000 Kilometer entfernten Indien? In jedem Fall ein weiter Weg. Die armen Hirten auf den nahen Feldern hatten es da einfacher. Von Biberbach sind es übrigens rund 2800 km bis nach Betlehem. Knappe dreieinhalb Flugstunden nach Tel Aviv und dann noch eine Stunde mit dem Bus. Keine Entfernung möchte man meinen; und doch ist Weg für viele Menschen von heute ein weiter geworden. Denn den Weg nach Betlehem legt man in seinem Inneren zurück.
Wie weit der Weg dann ist aus den Büros, den Laboren, der Weg aus den Einkaufsboutiquen der der Shopping malls? Jedenfalls bemisst sich der Weg zur Krippe nicht in Kilometern, sondern allein in der Sehnsucht. Je größer unsere Sehnsucht, desto schneller kommen wir an. Und der Weg lohnt sich!

Der innere Zugang zu Weihnachten
Denn wenn man Weihnachten angekommen ist, dann ist man da. Damals wie heute. Und wie man sich einen Zugang verschafft, das kann man noch heute am besten am Ort des Geschehens spüren, in Betlehem.
So einfach, hopplahopp, kommt man da gar nicht hinein. Man steht am Eingang der Geburtskirche und muss sich erst mal klein machen. Den Zugang finden damals wie heute nur die kleinen Leute sofort. Und natürlich die Kinder. Die Großen müssen sich tief bücken. Klein machen. Es ist fast wie eine Verneigung. Hoch erhobenen Hauptes wird man am Eingang der Geburtskirche buchstäblich vor den Kopf gestoßen.

Und dann geht es hinunter in die Grotte. Eine kleine Stiege. Man geht sie vorsichtig, fast tastend. Und dann bist du da, angekommen und mit einem Mal tief geborgen im Mutterschoß göttlichen Lebens. Das Geheimnis von Weihnachten umfängt sofort. Es umfängt dich ein stiller Friede, innere Ruhe, Geborgenheit und ein tiefes Vertrauen. Das Licht von Betlehem brennt leise und die Menschen gehen wie von selbst auf die Knie – berühren ehrfürchtig den Stern von Betlehem, der nicht mehr hoch oben am Himmel steh sondern sich eingelassen hat auf in den Erdboden dieser Welt. Und sie berühren ihn so sacht, als wollten sie das Jesuskind streicheln.

Es ist bemerkenswert, wie sehr Weihnachten berührt. Damals wie heute. Und wie sich die Menschen nahe kommen. Wo immer sie auch herkommen, wer sie draußen auch sein mögen. In der Geburtsgrotte sind sie alle gleich. Die Hirten von den Feldern wie die Weisen aus dem Morgenland. Und es berührt schon wenn 2017 Jahre nach Christi Geburt Menschen in der Geburtsgrotte das ganze Jahr über und in allen Sprachen von einer Stillen, heiligen Naht singe. Und bei diesem Lied die Sehnsucht des Menschen ist für einen Moment zur Ruhe kommt. Wie wahr die Botschaft von Weihnachten ist, geht nicht nur in der Geburtsgrotte auf.  Es ist das Geheimnis der Heiligen Nacht, die wir hoffentlich auch hier spüren. In unserer Kirche leuchtet das Licht von Betlehem!

Und dann: Nehmen wir uns Zeit. Weihnachtszeit. Lassen wir uns Weihnachten nicht so schnell nehmen. Betrachten, ja meditieren wir das Mysterium incarnationis, dieses göttliche Geheimnis der Menschwerdung.
Diese innere Größe eines Gottes, der sich so klein macht und Mensch wird. Da kann man nicht anders, da muss man sich innerlich hineinknien. Das entlastet ungemein. Wir müssen es nicht selbst im Kreuz haben. Wir sind nicht gottverlassen. Wir dürfen gottfroh sein.
Weihnachten tut uns in der Seele gut. Und wir brauchen es so, wie es die Engel verkünden. Als ein Fest der Freude mit einer hoffnungsvollen Botschaft: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind.“
Lassen wir diese Botschaft einwirken in unsere Seele. Und sie wird sich auswirken hinein in unsere Welt. Denn die Menschwerdung Gottes will sich ja auch in uns ereignen. Weihnachten will uns zu Menschen guter Hoffnung machen. Zu Menschen, die im Frieden leben. Zu Menschen guten Willens, die die Welt mitgestalten ganz im Sinne Gottes.

Wir brauchen Weihnachten und Weihnachten braucht uns!
Wie sehr wir Weihnachten brauchen, auch das spürt man in Betlehem deutlich. Von den Hirtenfeldern sind es nur wenige Meter bis zu der Mauer, die Menschen gegen Menschen errichtet haben. Der Checkpoint ist auf israelischer Seite groß überschrieben mit der Botschaft des Himmels: „Friede auf Erden!“ Was für ein Hohn! Weihnachten verbindet Menschen untereinander, Weihnachten verbindet uns Menschen mit Gott! Weihnachten ist ein Fest grenzen-loser Liebe. Wie sehr wir Weihnachten brauchen, habe ich auch in Damaskus gespürt. Ein Land, das seit sieben Jahren in einer tiefen Krise steckt. Aber zugleich von Neuem Hoffnung schöpft auf Frieden. Was es dazu freilich braucht sind Menschen, die guten Willens sind. An diesen guten Willen appelliert die himmlische Botschaft von Weihnachten. Wir brauchen Weihnachten und Weihnachten braucht uns. Ich wünsche uns, ich wünsche unserer Welt weihnachtlich gesegnete Tage!

24.12.2017
Empfänglich für Weihnachten
Gedanken zum Vierten Advent von Pfarrer Ulrich Lindl

Zugegeben, das Evangelium von der Verkündigung klingt fast wie ein Märchen… Wie eine Botschaft aus einer anderen Welt, die vielen Menschen von heute fremd geworden ist.
Natürlich feiern alle irgendwie Weihnachten. Aber warum eigentlich? 30 Prozent der deutschen Parlamentarier bleiben darauf eine Antwort schuldig. Und viele andere geben in den Fußgängerzonen spontan zur Antwort: Weihnachten ist das Fest der Geschenke! Und der Einzelhandel freut sich über eine 5. Jahreszeit…

Aber so war Weihnachten eigentlich nicht gedacht. Weihnachten ist tatsächlich aus einer anderen Welt. Und gerade darum auch so kostbar. Das Verkündigungsevangelium vom 4. Advent ist wie ein Schlüsselloch, durch das wir als Kinder wohl alle versucht haben, in das Weihnachtszimmer zu blicken. Man sieht gewiss nicht alles und ahnt doch so viel.

Und was sehen wir? Ganz einfach: Maria. Sie allein. Ein Menschen ganz einfach vor Gott. Und wie wir ihr begegnen! Die Begebenheit in Nazareth stahlt eine tiefe Sammlung aus.
Eine wunderbare Einladung auch für uns. Kurz vor Weihnachten. Ganz einfach da zu sein vor Gott. So wird der Mensch dann auch empfänglich. Wie Maria.
In einer Zeit der Machbarkeit darf uns die Bereitschaft zu empfangen nicht verloren gehen. Das ist zum einen ein Gebot der Demut. Denn, wenn wir ehrlich sind: alles was wir Menschen machen, bleibt am Ende doch menschlich und damit vergänglich.
Und da ist eine große Verheißung: „Maria, du hast bei Gott Gnade gefunden.“ Gnade hat etwas Himmlisches an sich. Denn Gnade ist ja alles, was wir selbst nicht machen können und damit zutiefst Geschenk.
Und ich spüre bei Maria viel Vertrauen. Dieses Gottvertrauen, dass es nur gut gehen kann, wenn es nach dem Willen Gottes geht.
In diesem Vertrauen spricht Maria ihr am Ende ihr „fiat“. „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ So nimmt die Menschwerdung Gottes ihren Anfang.

Morgen ist Heiliger Abend. Weihnachten beginnt. Eine heilige Zeit. Es ist schön, dass wir heute noch einmal diese anrührenden Begegnung des Engel Gabriels mit Maria betrachten dürfen.
Diese Verkündigung gilt auch uns. Sie lädt uns ein, immer wieder ganz einfach da zu sein vor Gott.
Empfänglich zu bleiben für seinen Willen. Vertrauensvoll. Gott will auch uns immer wieder begnaden.
Und geht es an Weihnachten nicht allein darum, dass Jesus auch in uns geboren werden kann! Dafür wollen wir unser Innerstes bereiten!

17.12.2017
Syrien christliche Heimaterde
Ein Gruß von Pfarrer Ulrich Lindl aus Damaskus zum III. Advent

Es ist fast wie im Frühling: Sonne und 20 Grad. Selbst für Damaskus ungewohnt freundlich. Und es weihnachtet sehr. Überall im christlichen Viertel der Altstadt wird vorbereitet und geschmückt. Weihnachtslieder sind schon zu hören. Für einige Tage bin ich nach Damaskus zurückgekehrt und es ist schon so etwas wie heimkommen. Ein herzlicher Empfang in der Pfarrei St. Kyrillos.

 

 

Ein Wiedersehen mit Pater Josef und Pater Georg. Beide sprechen sehr gut Deutsch, in Deutschland haben sie auch schon als Seelsorger gewirkt. Mit dem Christkönigs-Institut in Meitingen verbindet sie eine jahrzehntelange Freundschaft. Die Pfarrjugend bastelt gerade für den Flohmarkt kleine Christbäume und die Pfadfinder -es gibt über 250 davon- haben gestern eine große Kleideraktion abgeschlossen. In der Pfarrei haben sie Kleidung gesammelt, die jetzt zu Weihnachten verschenkt wird. Man hilft sich gegenseitig.

 


Heute, am 3. Advent, durfte ich bei der 11 Uhr Messe konzelebrieren und ein Grußwort an die Gemeinde richten. Freilich nicht auf Arabisch, Pater Josef hat übersetzt. Alle fünf Sonntagsmessen sind bestens besucht, eine lebendige katholische Pfarrei mitten in Damaskus. Und gleich nebenan ist eine große griechisch-orthodoxe Kirche. Wieder einmal für mich ein Grund zur Freude, dass wir Christen doch weltweit Brüder und Schwestern haben – und in guten und schweren Zeiten zusammenhalten.
Heimkommt man in Damaskus aber wohl auch deshalb, weil wir Christen hier Heimaterde unseres Glaubens betreten. Paulus wurde hier berufen und im Haus des Hananias getauft. Ohne seinen missionarischen Eifer hätte das Evangelium nicht so schnell den Weg in alle Welt gefunden. Gerade im vermeintlich christlichen Abendland müssen wir diesem Syrer unendlich dankbar sein! Die Kapelle im Haus des Hananias liegt wohl fünf Meter unter dem heutigen Straßenniveau. Ideal zum Beten.
Wo vor der Krise Pilgerströme die engen Gassen füllten, sieht man heute weder Pilger noch Touristen. Vor sieben Jahren begann die Syrienkrise. Sie hat vor allem den Norden des Landes schwer getroffen. Aleppo, der Geburtsort von P. Josef, ist in seinem von den Islamisten besetzten Ostteil völlig zerstört und auch Homs. 13 Millionen Syrer sind mittlerweile auf der Flucht. Die meisten sind Flüchtlinge im eigenen Land. Eine Stadt wie Jeraman, kaum 30 Autominuten südlich von Damaskus, mit seinen 500 000 Einwohnern muss eine dreiviertel Million Flüchtlinge verkraften. Dabei haben die Menschen dort selbst kaum das Nötigste.
Bei alledem ist es kaum fassbar, wie gelassen und freundlich einem die Menschen auf der Straße begegnen. Offenbar haben sie gelernt, mit der Krise -die Syrer selbst sprechen nicht von „Krieg“- umzugehen. Man kann wohl auch kaum so viele Jahre im Ausnahmezustand leben.

 

 

Und es ist ein großes Aufatmen, dass der islamische Staat aus dem Land vertrieben werden konnte. Andere islamistische Terrorgruppen sind freilich geblieben. Die Al-Nusra-Front hat ihre Stellung nur wenige Kilometer von St. Kyrillos aufgebaut. Immer wieder hört man Detonationen und Granateneinschläge. Allein die Pfarrei St. Kyrillos hat 37 gefallene Wehrdienstleistende zu beklagen. Menschen werden getroffen, Häuser beschädigt. Und doch wirken die Menschen ruhig. Es liegt eine hoffnungsvolle Ahnung in der Luft, das Schlimmste vielleicht überstanden zu haben. Und immer wieder kommen Menschen auf mich zu, um uns Deutschen zu danken, dass wir in dieser Notzeit so beherzt geholfen haben. Das möchte ich auch allen Zuhause sagen, die sich um Flüchtlinge kümmern.

 

 

Die Syrer haben mit Flüchtlingen Erfahrung. Vor der Syrienkrise waren vor allem sie es, die Flüchtlinge aus dem Irak aufgenommen und nach Kräften unterstützt haben. Und jetzt?
Sechs Millionen Syrer sind außer Landes, die meisten aber in der Nähe zu Syrien geblieben, bei Verwandten oder in den großen Flüchtlingscamps im Libanon, in Jordanien und in der Türkei.
Was gerade Syrien und der Libanon leisten, ist bemerkenswert. In der Bekaaebene finden sich große Zeltstädte. Hier werde ich am Dienstag mit Schülern und Lehrern zusammentreffen. Die Diözese Augsburg unterstützt dort Schulprojekte, die den Flüchtlingskinder eine Ausbildung vermitteln und wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag ermöglichen. Die Religion spielt dabei keine Rolle. Die meisten sind ohnehin muslimisch. Was zählt ist Mitmenschlichkeit. Und die tut allen gut.

„Die allermeisten Syrer wollen sobald wie möglich zurück. Sie lieben ihre Heimat!“, erfahre ich von Jesuitenpater Michel. Ihn habe ich gestern gesprochen. Neben Schulprojekten ist es vor allem die  Nothilfe, die der Jesuit Refugee Service organisiert: In Ostaleppo werden täglich 60000 Mahlzeiten ausgegeben, im christlichen Krankenhaus jede Woche 4000 Patienten behandelt. Ein neues Krankenhaus im Ostteil konnte vor zwei Monaten seinen Betrieb aufnehmen. In Jeramana organisieren sie Sozialprojekte, die getragen werden von Flüchtlingen für Flüchtlinge. Denn Flüchtlinge haben ja nicht nur ihre Häuser verlassen, sondern Familie, Freunde und einen großen Teil ihres sozialen Lebens verloren. Besonders tragisch ist für Pater Michel das Schicksal der vielen elternlosen Kinder. Es braucht einen neuen Zusammenhalt von Mensch zu Mensch.
Und wie sieht die Zukunft aus? Pater Michel sagt, dass es vor allem darum geht, Frieden und Sicherheit in Syrien wieder herzustellen. Dazu braucht es die gemeinsame Verantwortung aller politischen und religiösen Gruppen. Und Vertrauen muss wieder aufgebaut werden. Darauf legen  die Erziehungsprogramme der Jesuiten besonderen Wert. Und über die Kinder erreichen wir auch die Eltern.
Und die Christen? Die Christen braucht der gesamte Nahe Osten. Weil es die Wiege des christlichen Glaubens ist, aber auch deshalb, weil auf den Beitrag der Christen nicht verzichtet werden kann.

 

 

Es leben wohl noch 6% Christen im Land. Ein Drittel der Christen hat Syrien verlassen. Auch in der Pfarrei St. Kyrillos mit ihren ehemals 15000 Katholiken. Die Mehrheit aber ist geblieben. Gerade für sie ist der Apostel Paulus ein Mutmacher in schweren Zeiten. Wohl kaum einer hat mehr durchlitten und durchgestanden als er, der Völkerapostel. In der Lesung zum 3. Adventsonntag ruft er auf zur Freude. „Freut Euch im Herrn allezeit!“ Und er ruft auf zum Gebet. „Betet ohne Unterlass!“
Die Erfahrung, dass Gott nicht enttäuschen kann, wenn wir ihm vertrauen, ist zur festen Gewissheit seines Glaubens geworden. Am Ende der Lesung macht er Mut: „Gott, der euch beruft, ist treu. Er wird es tun.“ (1. Thess 5,24) Dieser Zuspruch klingt in Damaskus wie ein Ansporn aus- und durchzuhalten.
Über die Christen in Syrien darf sich Paulus freuen. Es sind Menschen, die wirklich fest im Glauben stehen und aus ihrem Glauben leben mit viel Willen zum Guten. Sie hoffen sehnlichst auf die Botschaft von Weihnachten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen, die guten Willens sind!“ Syrien hat wieder Frieden verdient.

 

Beten wir mit ihnen. Sie sind unsere Brüder und Schwestern. Wir alle sind eine große Familie.