Wort für die Woche

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23.07.2017
Schatzsucher
Gedanken zum Evangelium am 16. Sonntag i. J. (Lk 13, 24-40)
von Pfarrer Ulrich Lindl

Schatzsuche, das ist eine ganz schön spannende Sache. Vielleicht denken Sie jetzt gleich an den großen Goldrausch im Wilden Westen. Vielleicht aber an die vielen  kleinen Schatzsucher, wie sie sich heutzutage in auffallend vielen Flohmärkten finden lassen. Vielleicht gehören aber Sie selbst zu den Glücklichen, die schon einmal einen Schatz gefunden haben…

suchen und finden…
Menschen, die nach Schätzen suchen, haben etwas Faszinierendes. Menschen, die auf der Suche sind, sind noch nicht am Ende. Sie haben noch Sehnsucht nach mehr und Wünsche offen. Das übrigens ist bei Gott keine Frage des Alters. Und wie heißt es so verlockend: „Wer suchet, der findet.“ Worauf also warten?

Wie traurig wäre es auch um den Erdboden dieser Welt und um unser Leben bestellt, wenn es keine Schätze mehr zu entdecken gäbe. Freilich werden wir dabei nie vergessen, dass die kostbarsten Schätze im Leben unbezahlbar sind.

Welche Schätze haben Sie schon gefunden, gehoben und als Kostbarkeit verwahrt?

Ein unvergesslicher Augenblick…? Ein kostbares Talent…? Ein wunderbarer Mensch…? Und ist es nicht wirklich so: jeder Schatz ist eine Freude wert… jeden Schatz muss man heben und pflegen…

Einen einmaligen Augenblick gilt es ganz einfach zu genießen und ihn dann als kostbare Erinnerung zu verwahren. Ein wertvolles Talent gilt es zu entdecken und zu entfalten. Eine Beziehung, die mir etwas bedeutet, will gelebt und gepflegt werden.

Glaubens-Schatz
Und der Glaube: Ist nicht auch der Glaube ein unglaublich wertvoller Schatz im Leben? Glaube gehört zum Kostbarsten im Leben. Ein Glaubensschatz! Glaube darf uns nie so selbstverständlich werden, dass wir uns darüber nicht mehr freuen könnten. Heute springt die Freude ja geradezu aus dem Evangelium zu uns über. Da hat einer einen Schatz im Acker gefunden. Da gibt es keinen Halten mehr! Alles wird verkauft, es geht nur noch um diesen einen Schatz. Es ist ein kluger Mann, der sorgsam mit dem Schatz umgeht. Er deckt ihn wieder zu, damit er ja nicht mehr verloren geht. Genauso würde jeder Archäologe vorgehen. Aber dann wird er den Schatz heben und ihn pflegen, sich daran freuen.

Dass es sich dabei nicht um einen Schatz aus Gold und Silber handelt, liegt auf der Hand. Es ist ein Glaubensschatz, von dem das Gleichnis erzählt. Rührt uns die Freude, die Begeisterung nicht an?!

Es ist eines der vielen Gleichnisse, mit denen uns Jesus das Reich Gottes nahe bringen will. Das Reich Gottes in unserer Welt. Stellen wir uns vor, es gäbe diesen Schatz nicht. Und nichts Göttliches läge in ihr verborgen, das wir finden könnten. Unsere Erde wäre nur noch irdisch, glaubenslos, gottlos. Wie arm wären wir dran…!

Freilich das Reich Gottes ist nicht billig zu haben. Schätze sind eben keine Konsumartikel, keine Massenware. Es ist ein kostbarer Schatz fürs Leben. Und wenn er einmal gefunden ist, dann gilt es gut darauf aufzupassen. Wie schnell kann dieser Schatz wieder verloren gehen. Untergehen in der Bequemlichkeit, in den alltäglichen Sorgen. Aus den Augen, aus dem Sinn.

im Gottes-Reich
Das Reich Gottes, ein kostbarer Schatz, von dem Jesus immer wieder erzählt. Und in immer anderen Gleichnissen. Es ist einmal das kleine Senfkorn. Ja, das Reich Gottes ist oft ganz unscheinbar und klein. Und doch kann es wachsen und groß werden. Ist es nicht groß geworden im Leben so vieler Heiliger? Es ist wie eine Saat und es kommt darauf an, dass es auf einen guten Boden fällt. Damit es nicht verdorrt oder von den Dornen, den vielen Sorgen, wie Jesus erklärt, erstickt wird. Der Glaube an des Reich Gottes will sich tief verwurzeln im Erdreich dieser Welt. Hineinwachsen auch in unser Leben.

Das Reich Gottes ist wie ein kleines Stück Sauerteig, das doch mit einer unglaublichen Kraft so viel Mehl durchwirkt. Und es ist eben auch wie ein Schatz – wie eine Perle, die du suchst, weil du etwas ganz Kostbares finden willst. Und ist es nicht wirklich so! Ist das Reich Gottes nicht wirklich ein kostbarer Schatz? Strahlen Menschen, die an das Reich Gottes glauben und dafür leben, nicht eine tiefe Schönheit der Seele aus?

Das Reich Gottes? Was ist das eigentlich? Gewiss ist es kein Ort, es ist nicht hier oder dort… Das Reich Gottes ist überall da, wo Gott ist, wo der Wille Gottes geschieht. Wo Menschen um das Kommen des Reiches Gottes beten und sich dafür auch einsetzen, da ist es schon mitten unter uns.

Darum gibt es auch keinen Besseren, der uns auf der Suche nach diesem Schatz helfen könnte, als eben Jesus, der uns nicht nur immer wieder von diesem Reich Gottes erzählt, sondern uns Gott selbst so nahe gebracht hat. Und dessen Speise es ist, den Willen Gottes zu tun.

Damit spüren wir, wo das Reich Gottes vergraben ist: es ist in unserer Mitte, mitten unter uns, wenn wir aus ganzem Herzen Gott suchen. Und wenn wir ihn gefunden haben, in Freude seinen Willen aus ganzem Herzen tun.

Und wir spüren, es ist wirklich wie bei einer Schatzsuche. Aus Sehnsucht gesucht, in Liebe lebendig bewahrt.

16.07.2017
Was bleibt eigentlich hängen?
Gedanken zum Evangelium am 15. Sonntag im Jahreskreis (Mt 13, 1-9) von Pfarrer Ulrich Lindl

Was bleibt am Ende eigentlich hängen, was geht auf und wächst? Was wird am Ende draus? Das fragen sich wahrscheinlich Mathe-, Latein- und Musiklehrer… Was bleibt eigentlich übrig von dem, was ich versucht habe beizubringen? Das fragt sich auch der Pfarrer nach der Taufe und Erstkommunion (von der Firmung ganz zu schweigen…).

Wo der Glaube hinfällt…
Was wird aus dem Glauben, was kommt raus? Wo der Glaube hinfällt… Kann er da auch wachsen, zumindest will er das. Und Gott will das auch! Das scheint mir das Thema im Evangelium. Und Jesus erklärt sein Anliegen wieder einmal ganz einfach. Um zu verstehen, worum es ihm geht, muss ich also nicht Landwirtschaft studiert haben oder zuvor ein Feld beackern.

Was mit den Samenkörnen gemeint ist, dürfte klar sein: es ist der Glaube. Ja, es gibt den Glauben. Nur wo fällt der Glaube hin? Auf welchen Boden er trifft, das macht am Ende offenbar den entscheidenden Unterschied wenn es um die Frucht geht, um das was am Ende raus kommt, weil es wachsen durfte.

Die Afrikaner sind gottanfällig, habe ich von einem Comboni Missionar aus dem Südsudan gehört. Und ich teile diese Einschätzung. Der afrikanische Kontinent ist durch und durch religiös. Gute Bodenbeschaffenheit also für den Glauben. Bei uns gilt eher das Gegenteil. In Sachen Glauben sind wir eher ausgetrocknet, manchmal auch verwildert, ein Entwicklungsland geworden. Schon Alfred Delp hat schon vor Jahrzehnten besorgt festgestellt, dass „der gegenwärtige Mensch ist in eine Verfassung geraten, in der er gottunfähig geworden ist.“ Erst vorgestern haben drei Jugendliche nach Mitternacht in Berlin einem 39jährigen ins Gesicht geschlagen, nur weil der es gewagt hatte, in der U-Bahn ein Holzkreuz um den Hals zu tragen. Das sind freilich die Ausnahmen, denn zumeist bleibt es eher ruhig. Man bekommt eher ein Achselzucken zur Antwort, wenn man Menschen hierzulande nach dem Glauben fragt. Nichts Rechtes regt sich. Wachsen tut demnach auch nicht viel. Woran das liegt? Nicht am Samen und nicht am Sämann. Gott sät aus!

Ungünstige Bodenverhältnisse
Aber schauen wir uns das Gleichnis nur näher an: Da kommen die Vögel und picken einen Teil der Saat am Weg auf. Tatsächlich gibt es solche Wegelagerer. Menschen, die versuchen, den anderen Menschen den Glauben wegzunehmen. Eine Gesellschaft ohne Gott war das Ziel im kommunistischen Albanien.  Und auch heute werden Gläubige von Staats wegen unerbittlich verfolgt, denken wir nur an Nordkorea. Aber In vielen Medien wird buchstäblich nicht selten über de Kirche hergefallen und Glaube ins Lächerliche gezogen, alles herausgepickt. Und wie viele werden am Arbeitsplatz oder in der Schule schief angeschaut, wenn sie sich als gläubig outen. Nie vergessen werde ich das folgende Statement: „Früher als es noch modern war, bin ich schon in die Kirche gegangen…“ Und jetzt?

Manchmal ist der Boden aber einfach auch zu dürftig. Glaube braucht schon einen guten Untergrund, damit er in die Tiefe gehen kann. Wie viele Gedanken der Vorbereitungen kreisen um Äußerliches. Die schöne Feier, den festichen Rahmen einer Hochzeit oder eines Vereinsjubiläums. Aber der Rahmen ersetz nicht den Inhalt…. Glaube will in die Tiefe. Glaube ist damit nichts für Oberflächliche. Das sieht man spätestens dann, wenn die Umgebungsbedingungen etwas härter werden und der Glaube sich im Leben bewähren muss.  Wenn  die Sonne aufgeht und die Saat verdorrt. Manchmal wird der Glaube im Leben schon auch auf eine harte Probe gestellt. Ein Schicksalsschlag, eine Zeit der Prüfung. Hier gilt: In guten und in schweren Tagen. Dieses Versprechen muss auch im Glauben gelten. Wenn der Glaube sich nicht fest  verwurzelt hat, fehlt ihm die innere Überlebenskraft.

Und dann ist da noch das Gestrüpp, das die Saat erstickt. Was damit heute gemeint sein könnte, liegt auf der Hand. Wir haben zu viel im Kopf und zu viel um die Ohren. Der Terminkalender von Kindern ist oft schon ein wahres Dickicht… Zu vieles drängt sich unberechtigt in den Vordergrund, nicht nur der Fußball. Der Glaube gerät ins Hintertreffen. Damit werden wir buchstäblich kurzatmig und dem Glauben geht die Luft aus. Man muss den Wildwuchs schon aktiv zu recht stutzen. Wahres Wachstum im Glauben braucht Luft, nicht zuletzt Zeit, sonst erstickt er im Termindruck des vielen Allerlei. Was mir wichtig ist, dafür habe ich Zeit. Glauben braucht Zeit, um zu wachsen und sich zu entfalten.

Gute Bodenverhältnisse
Freilich, nicht jeder Mensch ist mathematisch begabt. Manche Menschen tun sich mit dem Glauben von Haus aus schwerer. Einfach glauben können, ist schon auch eine Gnade. Aber es geht auch um das glauben Wollen. Wenn ich mich in Mathe schwer tue, heißt das ja noch lange nicht, dass ich am Ende nicht rechnen kann. Ich muss mir halt mehr Zeit nehmen und mich mehr hineinknien als andere, aber es lohnt sich. Nicht wenige, die sich anfangs mit dem Glauben schwer getan haben, haben sich wirklich hineingekniet und sind zu überzeugten Gläubige geworden. Es liegt schon auch jedem von uns…

Umso mehr feiern wir heute schon ein schönes Fest: Nachkommunion. Die Kommunionvorbereitung war intensiv und vielen hat die Zeit des gemeinsamen Weges gefallen. Und die Erstkommunionfeier war auch ein schönes Glaubensfest unter strahlendem Himmel. Der Kommunionausflug. Aber dabei darf es nicht bleiben. Der Glaube muss weiter wachsen, ein Leben lang.

„50 plus x“ heißt bei mir die Devise. Mehr als die Hälfte der Kommunionkinder sollen dranbleiben und ministrieren. Das ist –Gott sei Dank!- auch in diesem Jahr wieder gelungen! 11 Buben und Mädchen machen weiter und bleiben dran am Glauben als Ministranten in unserer Pfarrei. Den Boden dafür haben viele bereitet. Zunächst natürlich in der Familie. Sie ist der Nährboden für ein gutes Wachstum im Glauben. Die Religionslehrerinnen und –lehrer. Alle, die bei der Vorbereitung zur Erstkommunion mitgeholfen haben. Unterwegs sind die Kinder wieder stärker „eingestiegen in den Glauben und wurden dabei auch von erwachsenen Christen unterstützt. Und da sind unsere Oberministranten, die mit den Kindern sehr umsichtig das Ministrieren geübt haben.

Wir merken, dass wir alle miteinander für gute Bodenverhältnisse sorgen dürfen. Und wir brauchen uns auch alle. Ein Weizenkorn ist kein Weizenkorn. Ein einzelner Halm bringt selten Frucht, sondern knickt schon eher um, wenn ein Windstoß kommt. Darum kann man eine lebendige Pfarrgemeinde schon mit einem Weizenfeld vergleichen, in dem viele mitwachsen können, vielleicht nicht alle gleich schnell und gleich stark. Die Erträge sind vielleicht unterschiedlich – dreißigfach, sechzigfach und hundertfach. Aber das Entscheidende ist und bleibt, dass die Saat aufgeht. Glaube wachsen kann und Frucht bringt. Umso mehr freuen wir uns, dass unsere Ministrantenschar weiter wächst. Über gute Ministranten freuen wir uns alle. Minis kommen bei Gott groß raus. Weil sie bereit sind zu dienen. Darum ist es Jesus auch gegangen, der nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen. Diese Einstellung im Glauben kommt bei Gott “groß raus“.

09.07.2017
Die Leibspeise der Seele
Gedanken zum 14. Sonntag im Jahreskreis von Pfarrer Ulrich Lindl

„Leib und Seele gehören zusammen.“ Das sagt man in aller Regel, wenn´s nach der Kirche zum Stammtisch geht und die Schweinshax´n aufgetischt werden. Und Krüge gestemmt. Leib und Seele gehören zusammen. Das ist gut bayerisch gedacht und wohl ebenso schwäbisch. Was ist Ihre Leibspeise?

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein…
Aber da bleibt ja noch eine andere Frage: wovon lebt eigentlich unsere Seele? Da geht es nicht um den Verdauungstrakt, um Magen und Darm…
Da geht es um den Geist, der in uns lebt. In der Taufe haben wir ja den Geist empfangen, der uns zu Kindern Gottes macht. Wir alle sind im Grunde unseres Lebens geistliche Menschen. Und diese geistliche Mitte, der Geist, der in uns wohnt, ist die eigentliche Kraft, die Energiequelle unseres Lebens. Daran erinnert Paulus in seinem Brief die Römer und heute auch uns daran. „Ihr seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt.“ Da hat Paulus ein Wort Jesu sehr gut verstanden: Der „Geist ist es, der uns lebendig macht“ (vgl. Joh 6, 63). Wonach hat die Seele also Hunger? Wovon ernährt sich unsere Seele?
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund hervor geht“, gibt Jesus darauf Antwort. Darum spricht uns Jesus auch an. Und seine Einladung richtet Jesus ganz bewusst zu allererst an alle, die in ihrer Seele ausgehungert sind, die bedrückt sind und ausgebrannt. „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen hat.“ (Mt 11,28) „Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ Zum Herrn gehen, beim Herrn sein, das tut in der Seele gut. Christlicher Glaube weiß um die Kraft der Ruhe, der Meditation und des Gebets. Und dann auf ihn hören.

… sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund hervorgeht.
Beim Predigtstammtisch am letzten Sonntag haben wir uns wieder über das Wort Gottes ausgetauscht. Eine Kirchgängerin hat dabei eine schöne Erfahrung mit uns geteilt. Vor einigen Jahren, sie hatte erst vor kurzem den Weg zurück in die Kirche gefunden, sagte der Pfarrer immer wieder: „Wir müssen Christus nachfolgen!“ –  „Wie soll ich Christus eigentlich nachfolgen, ich kenne den doch gar nicht.“ Eine ehrliche und ganz logische Feststellung. Sie hat daraufhin den einzig richtigen Entschluss für sich gefasst: „Ich muss Jesus besser kennen lernen“, und hat sich einem Bibelkreis angeschlossen. Und mit anderen das Wort Gottes, die Bibel geteilt. Ganz einfach.
Den Weisen und Klugen bleibt vermutlich deshalb so viel verborgen, weil sie sich den Kopf zerbrechen, anstatt sich das Wort Jesu zu Herzen zu nehmen. Nicht ins Hirn, ins Herz will der Herr. Und da genügt oft nur ein Wort. „Herr, sprich nur ein Wort“, bittet der Hauptmann von Kafarnaum, und mein Diener wird gesund.“ (Mt 8, 8) Herr, sprich nur ein Wort! Jesus hat nie viele Worte gemacht. Umso mehr hat sein Wort gewirkt. Jesu Worte wollen wirken. Beim Bibelteilen teilen Menschen das Wort, das sie persönlich angesprochen hat. Nicht viele Worte, es geht um das Wort, das mich anspricht, das Wort, das mir nachgeht und dem ich nachgehe. Das manchmal durchgekaut werden will, das vielleicht auch aufstößt, das dann aber auch verkostet sein will, auf der Zunge der Seele zergeht…
Ein Wort kann ermutigen, trösten, stärken, beruhigen, auf gute Ideen bringen und inspirieren oder ganz einfach Freude machen. Sich vom Wort Gottes ansprechen lassen. Und dann mit diesem Wort im Alltag umgehen, es umzusetzen und Erfahrungen damit sammeln Glaubenserfahrungen mitten im Leben. „Es ist meine Speise, den Willen des Vaters zu tun.“ (Joh 4, 34) Dafür und auch daraus hat er gelebt. Frère Roger macht Mut dazu: „Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast, und sei es noch so wenig. Aber lebe es!“

Mit dem Wort Gottes sinnerfüllt und kraftvoll leben
Sich nach Gottes Wort ausrichten, belastet nicht. Das befreit und gibt Kraft. Jesus verspricht: „Mein Joch drückt nicht, meine Last ist leicht.“ Damit ist nicht das Joch gemeint, das man einem Lasttier auferlegt. Mit Joch ist der Wille Gottes gemeint, der uns Kraft zum Guten gibt.
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund hervorgeht. Die Auswahl ist groß. und ich staune immer wieder, wie unterschiedlich und vielfältig gerade das Wort Gottes, das wir im Gottesdienst hören, Menschen in ihrer Seele ganz persönlich anspricht. Der Tisch des Wortes ist wirklich reich gedeckt. Greifen wir zu!
„Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Joh 6, 68), bekennt Petrus vor Jesus. Und Worte des ewigen Lebens sind die Leibspeise der Seele.
Auf eine gesunde Ernährung kommt es an. Woran man erkennt, dass wir uns gesund ernähren? Daran, dass der Geist in uns gut leben kann. Und Frucht bringt. Und die Früchte des Geistes sind Liebe, Freude, Langmut, Friede, Geduld. Ausdruck dafür, dass es unserer Seele gut geht.

04.07.2017
Hauptsache gesund?
Gedanken zum Krankengottesdienst in der Ulrichswoche von Pfr. Ulrich Lindl

Hauptsache gesund! Das wünschen sich Menschen für sich selbst, das ist ihr Wunsch für andere: Vor allem wünsch´ ich dir Gesundheit! Und wenn Sie jemanden auf der Straße fragen, was das Wichtigste im Leben sei, erhalten Sie fast immer dieselbe Antwort: „Gesundheit!“ Und es ist wahr: Gesundheit ist ein hohes Gut, das wissen wohl am besten die Kranken. Aber ist Gesundheit damit schon das Wichtigste im Leben, die Hauptsache? Am Ende muss es doch um mehr gehen als um Gesundheit. Auch diese Erfahrung verdanken wir vor allem unseren Kranken, die ja nicht mehr gesund sind.
Aber wenn Gesundheit nicht das höchste Gut ist, was ist dann mehr wert? Heil! Heil ist mehr als Gesundheit. Ja, ich bin schon vielen Menschen begegnet, die trotz körperlicher Krankheit und Gebrechen eine spürbar heile Seele hatten. Und bei so manchen war die Erfahrung einer Krankheit heilsam für die Seele.

 Gesundheit ist ein hohes Gut…
Freilich ist Gesundheit ein hohes Gut und alles andere als selbstverständlich. Auf seine Gesundheit zu achten ist wichtig und richtig. Und einen dankbaren Blick dafür zu bewahren, was –noch- gut geht.
„Ich, die blind bin“, sagte einmal die bekannte amerikanische Schriftstellerin Helen Keller, „kann den Sehenden nur dies Eine an das Herz legen: Gebraucht eure Augen so, als ob ihr morgen erblinden müsstet. Nutzt all eure Sinne aus, so viel ihr könnt; freut euch der tausendfältigen Schönheit der Welt, die sich euch durch eure Sinne offenbart. Von allen Sinnen aber, das glaube ich bestimmt, muss das Augenlicht das Köstlichste sein.“
Und ist es nicht eine anrührende Begegnung, die Begegnung des blinden Bartimäus. Die Sehnsucht nach dem Licht der Welt bricht geradezu aus ihm heraus, als er hört, dass Jesus nach Jericho kommt. Aus ganzer Seele ruft es aus ihm heraus: „Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner!“ Die anderen wollen ihn zum Schweigen bringen. Jesus aber bleibt stehen. Und er  richtet an Bartimäus die Frage: „Was soll ich dir tun?“ „Ich will wieder sehen können!“,  bricht es aus dem armen Kerl heraus.
Und, ja, Bartimäus kann sehen. Auch Jesus weiß um den Wert und das hohe Gut der Gesundheit. Und der Evangelist Lukas, der ja selbst Arzt war, berichtet detailgetreu über viele Krankheiten, die Jesus geheilt hat: von der verdorrten Hand, über ein verkrümmtes Rückgrat bis hin zu Wassersucht und eben der Blindheit des Bettlers Bartimäus.

Gesundheit ist das höchste Gut?
Das Wort Heilung dürfen wir uns dabei gut einprägen. Es drückt aus, dass es mehr als Gesundheit gibt. Gesundheit ist ein hohes Gut aber eben doch vergänglich. Heil meint darum immer auch die Seele, und damit unser unvergängliches Heil. Genau darum geht es doch: „Vergesst die Seele nicht!“ Was für ein wegweisendes Wort von Sebastian Kneipp.
Heil ist mehr als Gesundheit. Und damit das höchste Gut. Das zeigt sich schon darin, dass Menschen auch und gerade in Zeiten der Krankheit Heil finden. Menschen, die in und mit ihrer Krankheit gewachsen und innerlich gereift, auch geistlich vorangekommen sind. Manchmal können Krankheiten Türen öffnen zu einem tieferen Leben. André Gilde hat einmal bekannt: „Krankheiten sind Schlüssel, die uns gewisse Tore öffnen. Es gibt Tore, die können nur durch Krankheit geöffnet werden. Wer nicht krank gewesen ist und sich einer unerschütterlichen Gesundheit erfreut, kann sich menschlich nicht richtig entfalten, ebenso wenig wie der, der nie gereist ist.“
Krankheit ist eine Schule an Geduld, sie öffnet den Blick für das Wesentliche. Krankheit lässt tiefer glauben, hoffen und lieben. Wie viele Menschen sind gerade auf ihrem gemeinsamen Weg durch eine Krankheit noch mehr zusammengewachsen.
Nie vergessen werde ich einen Pflegepatienten in Burgau. Seit über einem Jahrzehnt nach einem Skiunfall hochgradig gelähmt. Nur noch einen einzigen Finger konnte er bewegen, dabei aber nie geklagt hat. Mit der Krankenkommunion habe ich ihn jede Woche besucht. Und einmal gefragt, warum er denn nie klage: „Warum sollte ich?!“, hat er nur geantwortet. Und gelächelt. Was heißt schon krank, wenn die Seele gesund ist…? Nirgendwo begegnen wir so vielen Kranken wie in Lourdes. Aber wir spüren nicht die Krankheit, wir spüren Heil an einem Gnadenort.
Paulus, der große Völkerapostel, war selbst krank. Das wissen wohl die wenigsten. Paulus hat es offen gestanden. Vermutlich hatte er Epilepsie, die ihn immer wieder aus der Bahn warf. Er spricht von einem Stachel in seinem Fleisch. „Dreimal habe ich den Herrn angefleht“, bekennt Paulus. Aber der Herr hat ihn nicht gesund gemacht, sondern Paulus geantwortet: „Meine Gnade genügt dir, denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.“ Paulus wird daraus später die heilsame Erkenntnis ziehen und sich eingestehen: „Wenn ich schwach bin, bin ich stark.“ Weil ich eben nicht aus eigener Kraft heraus lebe, sondern mich auf Gottes Gnade verlassen muss und darf. So etwas versteht wohl nur ein Mensch, dem Schwäche zuteil geworden ist.

Das Gebet – was für ein Heilmittel
Krankheit wird so zu einem Heilmittel, wenn sie nicht nur ausbricht, sondern aufbricht. Uns Jesus in die Arme treibt. Und er schenkt gerade den Kranken sein Entgegenkommen. „Ich bin gekommen, zu heilen, was verwundet ist“, sagt Jesus über sich selbst. Denn „nicht die Gesunden brauchen den Arzt.“
Ja, Jesus hat Menschen gesund gemacht. Und das dürfen wir von ihm auch heute erwarten. Jesus macht gesund. Und doch: Jesus ist kein Wunderheiler und auch kein Gesundheitsapostel. Er will unser Heiland sein. Unser Seelenarzt. Es geht ihm um unser Heil. Darum gibt es mit ihm keine heillosen Fälle.
Und was ist das Heilmittel? Es sind keine magischen Handlungen, keine Pillen und auch kein Wässerchen. Die heilende Kraft geht bei den Heilungen Jesu immer vom Glauben aus. So war das damals bei Bartimäus. „Dein Glaube hat dir geholfen!“ Und so ist das bis heute. Der Glaube öffnet die Mitte des Menschen für Gott. Glaube schenkt Vertrauen. Und Vertrauen gibt die Kraft, loszulassen, was wir nicht im Griff haben. Menschen, die alles selbst im Griff haben wollen, verkrampfen zwangsläufig. Mit geballten Fäusten kann man schließlich nicht beten. Glaube schenkt Vertrauen und Vertrauen gibt die Kraft, die Hände zu öffnen, um sie dann wieder zu schließen. Zum Gebet. Mit Glauben kannst Du vertrauensvoll beten. Und beten hilft – und heilt!
„Ora et cura!“ Bete und heile. Dieser alte Grundsatz wurde erst jüngst wissenschaftlich belegt. In einer großen amerikanischen Studie wurde nachgewiesen, dass das Gebet heilsam wirkt. Sowohl das Gebet kranker Menschen als auch das Gebet für kranke Menschen.
Darum geht es auch jetzt bei der Krankensalbung. Dass wir sie ganz einfach hinhalten unsere leeren Hände voll Vertrauen. Betend und bittend. Beten und bitten wir aber nicht vorschnell um etwas Bestimmtes. Überlassen wir es lieber unserem Heiland, wie er wirken will. Erbitten wir von ihm nicht irgendetwas, erbitten wir von ihm nur das eine: Mein Herr und Heiland, schenke Du mir Dein Heil.

04.06.2017
Und statt oder…
Gedanken zu Fronleichnam von Pfarrer Ulrich Lindl

Wir Menschen machen gern gewisse Unterschiede. Schwarz und weiß, links und rechts, arm und reich, jung und alt, In- und Ausländer. Warum eigentlich? Nun ja, das macht die Sache eben übersichtlicher. Man teilt ein und bekommt schnell einen Überblick über das Ganze einer Welt, die ja nicht eben einfacher zu werden scheint. Und stimmt: Unterscheide gibt es wirklich. Nur was wir daraus machen, davon hängt vieles ab. Ob wir ein „oder“ dazwischen setzen oder vielleicht doch lieber mit einem „und“  verbinden…, davon hängt am Ende viel ab.

Ich bin ein Freund „und“. Warum? Weil es wunderbar verbindet. Und was uns verbindet, das hält uns auch zusammen. Und was bräuchte unsere Gesellschaft, was bräuchte die Menschheit mehr, als mehr Verbindendes, mehr Zusammenhalt.

Bei unserer Fronleichnamsprozession nehmen wir genau dieses Anliegen mit auf den Weg. „Was uns zusammenhält!“ Dahinter setzen wir kein Fragezeichen, sondern ein klares Ausrufezeichen. Wir bekennen uns zu dem, was uns verbindet.

Und wir fangen ganz klein an, bei unseren Kindern. Die kennen sich ja schon zumeist aus dem Sandkasten. Natürlich kann man da mal um die Schaufel streiten, aber in der Regel spielt man da drin im Sandkasten miteinander. Es ist kein Geheimnis, dass die Integration von Flüchtlingen am besten im Sandkasten gelingt. Kinder haben ein Herzen  für Kinder.

Dann sind wir auch schon bei unseren Familien. Familie braucht der Mensch. Familie ist das, worauf du dich –hoffentlich- verlassen kannst. Wieviel in unseren Familien geleistet wird von der Erziehung bis hin zur Pflege…! Ich soll in meinen Predigten mehr über den Zusammenhalt in den Familien sprechen, hat mir vor kurzem eine besorgte Kirchgängerin ans Herz gelegt. Das will ich gern tun. Denn Familie ist, was unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält.

Und da ist der Zusammenhalt zwischen den Generationen. Ich sehe da keinen Konflikt. Sondern eine echte Bereicherung: Jung und alt gehören zusammen! Die Jungen profitieren von der Lebenserfahrung der Älteren. Und die Älteren dürfen sich freuen über neue Ideen der Jugend.

Und da ist unsere Marktgemeinde. Schön, wenn man weiß, wo man „dahoam“ ist. Und die allermeisten wollen auch gar nie weg. Da bin ich „dahoam“, und da bleib´ ich „dahoam“. Wir kennen uns. Anonymität ist auf Dauer kein Lebensumfeld für den Menschen.

Wir brauchen uns im Leben, und wir brauchen uns auch im Glauben. Ein Christ ist kein Christ. Wo zwei oder drei, (oder am besten noch viel mehr) in seinem Namen versammelt sind, da ist er, Jesus Christus, in unserer Mitte. (vgl. Mt 18 20) Was für eine Zusage! Wir können ruhig einmal nachschauen, wer gerade neben uns sitzt. Links und rechts in unserer Kirchenbank. Seien wir gottfroh, dass wir uns als Christen haben – und nicht gottlos sind.

Unser Glaube verbindet. Anders kann das gar nicht sein. Denn „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,16). Liebe verbindet, Liebe vereint. Die Liebe sucht nie nach dem, was trennt…

Gott ist die Liebe und das lebt er uns glaubwürdig vor. Denn Gott ist dreifaltig – ein Gott in drei Personen. Dieses tiefste Geheimnis unseres Glaubens haben wir am vergangenen Dreifaltigkeitssonntag gefeiert. Dieses Geheimnis ist eine tiefe Offenbarung der Einheit. Dazu bekennen wir uns: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Und diese gelebte Einheit strahlt aus im Heiligen Geist. Der eine Geist verleiht viele Gnadengaben. Und all die vielfältigen Gnadengaben sollen dem Aufbau des einen Leibes dienen, der die Kirche ist.

Und da ist Jesus Christus. Er verbindet in sich, was doch eigentlich zutiefst verschieden ist: Himmel und Erde – Gott und Mensch. Da ist kein himmelweiter Unterschied mehr – Gott ist nicht himmelhoch da droben – „Gott ist mir innerlicher, als ich mir zuinnerst bin“, sagt der Heilige Augustinus. Durch das Sakrament der Taufe sind wir alle vereint in Christus. Wie der Apostel Paulus im Galaterbrief sagt. „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau: denn ihr alle seid `einer´ in Christus.“ (Gal 3,28).

Das Fronleichnamsfest ist zutiefst ein Bekenntnis zu dieser Einheit in Christus. weil die Eucharistie das Sakrament der Einheit ist. Wenn wir die Eucharistie empfangen, verleiben wir uns Jesus ein. Wir, die vielen Glieder, werden zu einem Leib.

Wie sehr Jesus die Einheit am Herzen liegt, haben wir in ergreifenden Worten im Evangelium gehört. Dort betet und bittet Jesus seinen Vater: „Alle sollen eins sein, wie wir eins sind. Damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ (Joh 17, 21)

Es ist damit eine Frage unseres Glaubens und unserer Glaubwürdigkeit als Christen, dass wir suchen, was verbindet. Mögen andere Grenzen ziehen und Mauern bauen. Wir bauen Brücken. Und die Liebe wird uns dabei helfen.

Amen.

04.06.2017
Was anfangen mit Pfingsten?
Mit Pfingsten geht´s so richtig los!
Gedanken von Pfarrer Ulrich Lindl

Fragen Sie Menschen woran sie an Pfingsten denken, und sie werden antworten: an Tauben. (Wenn sie nicht gleich vom Urlaub reden.) Viel besser eignen würde sich da schon ein Feuervogel. Der ansteckt, entflammt, richtig Wind macht, damit sich das Feuer ja rasch ausbreitet und es richtig schön brennt. Das war auch ganz der Wunsch Jesu: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ (Lk. 12, 49) Vielleicht ist das auch die Ursache, dass Pfingsten so verkannt wird, dass Pfingsten so harmlos geworden ist, allenfalls ein laues Lüftchen. Aber kein Sturm aufbrechender Begeisterung. Wir brauchen mehr Feuer!

Das macht uns vielleicht etwas unruhig. Normalerweise haben es Menschen ganz gerne, wenn alles seinen Gang geht. Aber dann passiert genau das: Es ereignet sich nichts mehr, es geht nichts mehr wirklich voran. Das Leben wird irgendwie langweilig, belanglos und banal. So bleibt irgendwie alles beim Alten. Wenn wir das Feuer nicht immer wieder von Neuem entfachen, bleibt am Ende nur ein Häuflein Asche übrig… Genau das will Pfingsten nicht: Dass alles beim Alten bleibt: „Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu!“ Das ist ein Glaubensbekenntnis zu Pfingsten!

Pfingsten stellt uns vor die Frage: Was brennt in uns eigentlich? Was haben wir uns vom Feuer jugendlicher Begeisterung erhalten? Was bewegt uns wirklich noch? Welche Ziele treiben uns um, bringen uns voran? Und plötzlich spüren wir, dass wir den Heiligen Geist brauchen. Und zwar genau so, wie er an Pfingsten auf die Jünger herabgekommen ist: in Zungen wie von Feuer – in einem Brausen, wie wenn ein Sturm daherfährt…! Den Geist haben wir schon! Empfangen in der Taufe – bestärkt durch die Firmung. Darum geht es jedes Pfingstfest von Neuem. Dass wir den Geist wirklich wieder erbitten, ihm wieder mehr Raum geben. Es ist ein Geist der lebendig macht und Leben schafft – in aller lebendigen Vielfalt:

Der eine Geist verleiht ganz verschiedene Gnadengaben, (vgl. 1 Kor 12, 4) verspricht der Apostel Paulus. Und es stimmt: eine Gemeinde ist dann geistlich lebendig, wenn Christen ihre geistgewirkten Gnadengaben entdecken und einbringen. Jeder und jede ist begabt und auch begnadet. Wir entdecken auf einmal einen unermesslich großen Schatz an ganz unterschiedlichen Gaben und vielfältigen Begabungen.

Freilich, all diese verschiedenen Gnadengaben sollen uns zusammenführen und zusammenhalten. Zu einer Einheit im Glauben bei aller Vielfalt. So wie der Geist nichts für Einzelgänger ist, so sind seine Gaben nicht zum Privatgebrauch bestimmt. Paulus bringt es wieder mal auf den Punkt: „Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.“ (1 Kor, 12, 7)

Diese Gaben kommen von dem einen Geist der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht. Darum ist der Geist bei aller Vielfalt zutiefst ein Geist der Einheit. So hat er schon beim ersten Pfingstfest gewirkt: Dabei verstanden sich an Pfingsten auf einmal alle untereinander: Pfingsten wird so zu einem Markenzeichen weltweiter Verständigung im Glauben. Glauben kennt eben keine Grenzen. „Wir haben den einen Geist empfangen, der uns zu Kindern Gottes macht“ diese Gebetseinladung zum Vater unser offenbart, wessen Geistes Kinder wir sind.

Der Geist von Pfingsten schenkt einen lebendigen Aufbruch. Nichts für Hockenbleiber. Unser Glaube ist dynamisch. Pfingsten bringt frischen Wind, wenn wir die Fenster und Türen aufmachen… und rausgehen. Nur Mut. Das Häuflein verängstigter Christen von damals war nach Pfingsten wie ausgewechselt. Petrus, dieser einfache Fischer hält eine begeisternde Pfingstpredigt (vgl. Apg 2,14-36). Und Petrus muss wirklich gebrannt haben.

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ Ein echt pfingstlicher Gedanke des Heiligen Augustinus….! Der dann auch uns dazu fähig macht, wozu wir im 1. Petrusbrief ermutigt werden: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt!“ (3,15)

Trauen auch wir uns was. Wovor haben wir Angst. Wir haben den Geist empfangen, wir sind geisterfüllte Menschen lassen wir ihn wirken. Charismatisch und missionarisch an Pfingsten geht es um beides. So geht es mit unserem Glauben weiter, wenn wir mit unserem Glauben weiter gehen. Nicht bei uns und unter bleiben. Wir haben den Glauben nicht empfangen, damit wir ihn konservieren. Glaube gehört nicht in Dosen, sondern hinaus in die Welt. Allein so bleibt Glaube frisch und lebendig.

Der Heilige Geist hat gewirkt sichtbar und spürbar durch 2000 Jahre hindurch. Der Geist wirkt, wo er will, und wenn wir wollen.

21.05.2017
Wenn der Vater mit dem Sohne…
Gedanken im Familiengottesdienst
zu Christi Himmelfahrt von Pfr. Ulrich Lindl

„Wenn der Vater mit dem Sohne…“ – und man darf gespannt sein, was dabei herauskommt. Zumindest klingt es nach etwas anderem als „Mutter und Kind“. Mama ist eben nicht Papa und der Papa ist nicht die Mama. Das wissen Kinder ganz genau. Mit welchen Anliegen sind wir als Kinder zuerst zur Mama gegangen und wann haben wir unseren Vater gebraucht?
Dass Vater und Mutter nicht dasselbe sind, spürt man auch daran, wie beide feiern…
Man stelle sich vor: Den Muttertag mit Blumen und einem Gedicht; ein erster selbst gebackener Kuchen vielleicht. Mit einem Herz drauf? Und die Familie in Eintracht versammelt.
Vatertage verlaufen dagegen oft anders. Manche Väter feiern unter sich – Männer unter Männern, die zumeist Väter geworden sind, und das nicht ungern im Biergarten feucht-fröhlich begießen.
Ich glaube, wir sollten uns darüber freuen, dass es Mütter und Väter gibt. Wir brauchen beide. Zwei Väter ersetzen je keine Mutter und zwei Mütter kann ich mir auch nicht vorstellen. Es gibt halt nur eine Mama… Bei aller Gemeinsamkeit, die uns Menschen verbindet, es bleiben –so glaube ich- auch gottbestimmte Unterschiede, die sich gut ergänzen und bereichern. Dass Kinder beide brauchen, wird besonders spürbar, wenn einer fehlt. Wenn eine Mutter versuchen muss, den Vater zu „ersetzen“ – oder umgekehrt. Bei aller Liebe, das gelingt nur bedingt.
Muttertag und Vatertag – gibt es eigentlich auch einen Elterntag? Ja, gibt es! Vor vier Jahren auf Beschluss der Vereinten Nationen zum ersten Mal am 1. Juni gefeiert. Eine späte, aber durchaus gute Idee. Denn Kinder brauchen ja beide: Mutter und Vater, die als Eltern miteinander die Erziehung gemeinsam tragen. „Du bist schließlich unser gemeinsames Kind!“ Es ist da ein schönes Zeichen, mit wieviel Begeisterung immer mehr Väter in Elternzeit gehen. Ein Stück Mutterbindung wächst so auch in die Vaterbeziehung.

Und wenn ich an Gott denke: Für seinen Sohn wollte er auf beides nicht verzichten. Und beide gehören zu Jesus: seine Mutter – Maria. Und hat sich nicht ein durchaus mütterliches Marienbild auch in unseren Glauben eingeprägt! Sie empfängt das Kind, legt es in die Krippe. Sie hört immer wieder zu und bewahrt alles in ihrem Herzen. Sie lässt Jesus gehen, weil sie das Beste für ihren Sohn will. Sie ist aber auch da, wenn er sie wieder dringend braucht. Der 33-jährige wird ihr wieder wie ein Kind in den Schoß gelegt. Mütter halten viel aus…

Von Josef hören wir weniger. Genau genommen kein einziges Wort. Im Hintergrund wird er dargestellt. Aber doch ist er ganz da. Er trifft die „strategischen“ Entscheidungen. Entscheidet sich allen Einwänden zum trotz mutig für Maria, geht mit ihr nach Betlehem, bringt Frau und Kind nach Ägypten in Sicherheit. Bringt Jesus sein Handwerkszeug als Zimmermann bei. Der Vatertag lässt uns auch an Josef denken…

Vor allem aber an unseren Vater im Himmel!
Wir feiern heute ja Christi Himmelfahrt. Und sind zunächst einmal dankbar, dass Jesus uns Gott nahe gebracht hat. Wir glauben nicht an einen „alah hu akba“, an einen Gott hoch droben. Wir dürfen ihn mit Jesus vertrauensvoll „abba“ – „Vater“ nennen. Damit spüren wir hoffentlich, wo wir herkommen und damit auch, wer wir eigentlich sind.
Jesus lädt uns ein, zusammen mit ihm eine echte, tragfähige und durchaus liebevolle  Vaterbeziehung aufzubauen. Uns mit ihm an Gott zu orientieren und auszurichten. Auf ihn zu hören und seinen Willen zu tun. Und uns dabei immer wieder auch ermutigen und bestärken zu lassen.

Und dabei zu wachsen. Das wollen Kinder mit Blick auf den Papa ja schließlich auch. Mit Gott wachsen. Über uns selbst hinauswachsen. Himmelwärts. Vor allem dazu lädt uns Christi Himmelfahrt ein.

21.05.2017
Haben oder Sein?
Gedanken zum 6. Sonntag der Osterzeit (Joh 14,1-12) von Pfarrer Ulrich Lindl

Haben oder sein? Das ist hier die Frage.
Aber was ist wichtiger: Haben oder Sein? Eine Antwort kennen wir wohl alle: „Haste was, dann bist de was.“ Aber ist das wirklich richtig? Wenn man diesen Gedanken zu Ende denkt, bedeutet das doch: Wer nix hat, hat aufgehört zu sein. Und wirklich: Armut versteckt sich oft. Menschen, die wenig haben, können bei vielem nicht mehr mithalten, mitmachen. Bleiben außen vor… aber sind doch da!

Sein statt Haben
Die Verführung war schon immer groß! Menschen schauen auf das Haben. Wieviel Geld habe ich auf dem Konto, welches Auto, welches Haus, welche Schulbildung, welches Ansehen…. Manche Menschen leben allein fürs Haben. Ob es ihnen damit wirklich gut geht? Oder sind viele nicht außer sich?
Die Betonung des Habens führt zwangsläufig zu einer Betonung von Unterschieden. Einkommensunterschiede, Bildungsunterschiede, soziale Unterschiede. Man spricht in diesen Zusammenhängen von einer Schere, die immer weiter auseinander geht. Scheren sind in der Tat dazu  gemacht, dass sie teilen, trennen, zerschneiden. Aber gehören wir nicht alle zusammen! Entscheidend ist doch, was uns verbindet, als Menschen, die wir zusammen leben: unser Zusammenleben.
„Haben oder Sein“ – Mit diesem Titel hat der Sozialpsychologe Erich Fromm Ende der 70er Jahre ein Buch veröffentlicht mit dem Untertitel: „Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft.“
Darüber sprechen wir viel zu wenig. Dass unsere Gesellschaft seelische Grundlagen braucht. Oder ganz einfach: Unsere Gesellschaft braucht ein Herz. Aber auch gesellschaftlich blicken wir schon fast hypnotisiert auf die Habenseite, die Wirtschaft brummt, die Aktienkurse steigen und die Steuereinnahmen auch. Aber das berührt nicht die Seele einer Gesellschaft. Das sind zunächst nur Muskeln. Zugegeben: auch das Herz ist äußerlich betrachtet ein Muskel, aber der verlangt unbedingt nach Liebe.
Auch darüber hat Erich Fromm in einem Buch nachgedacht. Er hat es bereits in den 50er Jahren veröffentlicht. Also am Anfang des Wirtschaftswunders. Und es trägt den schönen Titel: „Die Kunst des Liebens.“ Darin versucht er klar zu machen, wie wichtig die Liebe als Grunderfahrung des Menschen ist. Gerade in den ersten sechs Jahren seines Lebens: Dieses Urvertrauen: Ich bin geliebt. Unabhängig davon, was ich kann, leiste oder habe. Sondern bedingungslos; ganz einfach, weil ich bin. Weil ich dein Kind bin, Mama, Papa. Diese Mitgift an Liebe ist die wichtigste seelische Grundlage des Lebens – jedes Menschen und damit auch jeder Gesellschaft. Der Mensch kann noch so viel haben, wenn ihm die Liebe fehlt, wenn er nicht geliebt ist, fehlt ihm alles.
Das ist zugleich eine Grundüberzeugung unseres Glaubens.

Ich bin – geliebt!
Denn die Frage Haben oder Sein hat Gott gleich am Anfang klar beantwortet. Er trägt die Antwort in seinem Namen. Als JAHWE hat er sich dem Mose am brennenden Dornbusch vorgestellt – und das heißt ganz einfach: „Ich bin, der ich bin!“ Gott geht es nicht um das Haben. Und wie Gott ist, hat uns Jesus immer wieder zu verstehen gegeben: und wir erfahren: „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4, 8). „Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben“ (1 Joh 4, 9). Die Liebe trennt nicht, sie macht keine Unterschiede, sondern sucht nach dem, was verbindet. Liebe vereint. Um diese Einheit geht es Jesus im Innersten. Im heutigen Evangelium spricht er es wieder einmal offen aus: „Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.“ –Das hat eine wunderschöne Konsequenz: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt – bleibt in meiner Liebe“ (Joh 15,9). 
Das ist die seelische Grundlage, die christlicher Glaube im Leben vermitteln will. Liebe kann man nicht machen, man muss sie sich auch bei Gott nicht erst verdienen: Liebe bekommst du geschenkt. Sie ist ein Gottesgeschenk, das jedem Menschen gilt – unabhängig von seinem Hab und Gut, seinem Können und dem, was er leistet oder auch nicht.
Dabei darf es aber nicht bleiben. Liebe will leben, sich fortpflanzen. Liebe, die nur an sich denkt, ist reine Selbstliebe, bleibt einsam und kann dabei auch ganz schön egoistisch werden. Darum ruft Jesus zur Tat, in der sich die Liebe dann auch ausdrückt: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“ (Joh 14, 15). Die Gottesliebe bringt uns zur Nächstenliebe. „Liebt einander so, wie euch geliebt habe“ (Joh 13, 35)

Keine Sonntagsreden
Es ist bemerkenswert, dass nach den Tagesthemen am Sonntagabend der Wasserverbrauch in den privaten Haushalten rapide ansteigt. Grund dafür ist das Wort zum Sonntag, das viele nutzen, um auf die Toilette zu gehen (wenn sie nicht zum Kühlschrank müssen). Aber das Wort Gottes sollten wir nicht einfach runterspülen. Wir müssen es aufgreifen und umsetzen. In unserem Alltag. Konkret werden lassen, auch in der Politik. Damit der Glaube nicht auf den Gottesdienst beschränkt bleibt, sondern sich auswirken kann als seelische Grundlage unserer Gesellschaft.
Nehmen wir nur drei Beispiele heraus:

 Die Familienpolitik ist kein Gedöns, sondern nachhaltige Zukunftspolitik. Familien sind die Keimzelle der Gesellschaft. Zusammen leben, aufeinander schauen und füreinander sorgen, das alles und noch viel mehr lernt man zuallererst in der Familie. Über die Generationen hinweg. „Was wollt ihr Deutschen denn“, lautete ein Vorwurf aus dem Mund eines Türken, „wenn ihr 18 Jahre alt seid, lasst ihr die Familie doch einfach hinter euch zurück.“ Und ich habe den Vorwurf gut verstanden: Familie trägt doch viel weiter.

Unserer Wirtschaft geht es gut. Gott sei Dank. Aber wird der Wohlstand gerecht verteilt? Eines muss uns klar sein: gesellschaftlich geht es geht nur gut, wenn es allen besser geht. Unser Land konnte aus den Trümmern des 2. Weltkrieges nur gemeinsam aufgebaut werden. Sich einsetzen für das Gemeinwohl, nicht für egoistische Einzelinteressen. Und schließlich: Eigentum verpflichtet. Ein urchristlicher Gedanke. Wenn sich einige wenige immer mehr herausnehmen, haben viele andere das Gefühl, dass für sie immer weniger übrig bleibt. Das vergiftet das gesellschaftliche Miteinander.

Zur seelischen Gesundheit einer Gesellschaft gehört aber auch, dass sie an andere denkt. Wir sind beim Thema Entwicklungspolitik. Auch das ist kein Randthema, sondern eine Überlebensfrage in einer globalisierten Welt. Entwicklungsminister Müller denkt da durch und durch christlich. Uns muss die Sorge um unser  gemeinsames Haus bestimmen, dazu hat Papst Franziskus völlig zu Recht aufgerufen. Und eigentlich wäre genug für alle da. Wir brauchen mehr Bereitschaft zum Teilen. Aber auch mehr Genügsamkeit. Der reiche Norden lebt lange genug schon über seine Verhältnisse und auf Kosten des armen Südens.

Das Berliner Stadtschloss wird wieder aufgebaut. Im letzten Kriegsjahr wurde der Prachtbau in Schutt und Asche gelegt. Ein steinernes Mahnmal, wieviel kaputt geht, wenn man Gott aus der Gesellschaft verbannen will. Auf der Kuppel soll nun weithin sichtbar wieder ein Kreuz erstrahlen. Gestiftet ist es schon längst. Aber nun meldet sich lautstarker Protest der Linken und der Grünen: Das Kreuz muss mit allen Mitteln verhindert werden! Warum eigentlich?
Die seelischen Grundlagen einer ganzen Gesellschaft hatte die gottlose Diktatur der Nazis schwer verletzt. Es waren christliche Werte und christliche handelnde Politiker, die unserer Gesellschaft auf dem Boden des Grundgesetzes wieder zu einer seelischen Grundlage verholfen  haben.
Jede Gesellschaft braucht eine seelische Grundlage. Ein Herz. Und Liebe. Das vermittelt christlicher Glaube. Er ist alternativlos für Deutschland.

14.05.2017
Ein Navi fürs Leben?
Gedanken zum Evangelium am 5. Sonntag der Osterzeit (Joh 14,1-12)
von Pfarrer Ulrich Lindl

Haben Sie auch so ein Auto, das sich immer irgendwie meldet…  Nicht angeschnallt, Handbremse angezogen, vorn und hinten zu nah dran. Irgendwie klingelt und tutet immer irgendwas an Bord. Und dann noch diese Stimme. Nach der Ampel links, dann die zweite rechts… Bitte wenden … Zugegeben, das Navi hat einen Vorteil: es sichert und leitet selbst durch das Straßendickicht einer Großstadt.
Navi hin oder her. Ich suche auch ganz gerne noch auf der Landkarte mit dem Finger – und fahr dann los. Vor allem im Urlaub. Es dauert manchmal vielleicht etwas länger und manchen kleineren Umweg muss man in Kauf nehmen. Dafür aber gibt´s immer wieder auch kleinere Überraschungen, die ja auch mal ganz spannend sein können.
Ein Navi fürs Auto… Ein Navi fürs Leben? Wäre das nicht auch eine Sache? Einfach sein Ziel einstellen und dann auf dem schnellsten Weg: zum Traumberuf, zur Traumfrau, zum Traummann, zum Traumhaus. Verlockend? Oder vielleicht doch nicht…?
Ein Jugendlicher hat einmal im Blick auf das heutige Evangelium bemerkt: „Der Weg unseres Lebens ist ein bewegter Weg.“ Da kann ich ihm nur recht geben: Das ist ja gerade das Lebendige, das Spannende dran. Es ist eben alles „live“ im Leben. Und auch der Glaube hat kein Navi. Und Jesus ist nicht der kleine Mann im Ohr, der uns immer genau sagt, wo´s lang geht. Jesus greift uns auch nicht ins Steuer.  Gott sei Dank!
Das hat mich am christlichen Glauben schon immer fasziniert. Dass wir zu nichts gezwungen und auch nicht überredet werden. Keine Zwangsbekehrung, keine Zwangstaufe, keine Zwangsheirat. Du musst im Glauben nichts. Du musst nur wollen. Des Menschen Wille ist schließlich sein Himmelreich.
Und das eine dürfen wir uns gesagt sein lassen: Gott will uns. Das ist doch der Anfang unseres Lebens. Dass Gott uns wollte. Und was kann Gott mehr wollen, als uns wieder haben. Letztlich vollendet sich unser Lebensweg nur in Gott.

Der Glaube ist kein Navi
Das heutige Evangelium versetzt uns in den Abendmahlsaal. Soeben hat Jesus den Jüngern die Füße gewaschen. Abschiedsstimmung liegt in der Luft. Aber Jesus redet vielmehr vom Ankommen. Vom endgültigen Ankommen des Menschen bei Gott. Um das zu veranschaulichen malt er -wie so oft- den Himmel aus: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ Kein anonymes Übergangswohnheim also. Nein, einen Platz für mich und für dich will er vorbereiten. Darum geht er auch voraus. Wie viel Fürsorge spricht aus diesen Worten, dass wir am Ende auch wirklich ankommen bei Gott. Keiner von uns soll verloren gehen. Darum wird Jesus noch inständig beten… (vgl. Joh 17)
Und wie kommen wir dahin? Eigentlich müssten die Jünger den Weg doch kennen. Lange genug waren sie mit Jesu unterwegs. Thomas ist erfrischend ehrlich: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, wie sollen wir den Weg kennen?“ (Joh 14,5) Jesus gibt ihm eine bemerkenswerte Antwort. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6) Ich bin der Weg, der in Wahrheit zum Leben führt. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Oder positiv ausgedrückt: Jeder kommt zum Vater – durch mich.

Ich bin´s
Das heutige Evangelium zeigt uns wieder einmal, dass es im Glauben um mehr geht – um nicht weniger als ums Ganze. Mit Jesus blättern wir nicht in Reiseprospekten. Jesus bereitet uns vor für die eigentliche Weltreise unseres Lebens. Und die geht nicht nach Australien. Wir wollen doch hoffentlich alle in den Himmel. Und genau darin sieht Jesus seine Aufgabe: uns dabei zu helfen. Er ist Wegbereiter und Wegbegleiter zugleich.
Das macht ihn für mich so wichtig. Denn letztlich kommt es ja am Ende darauf an, dass wir ankommen. Mit unserem Leben – bei Gott. Wie viele Menschen machen sich zeitlebens wirklich ernsthaft Gedanken, was nach dem Leben kommt? Worauf es ankommt? Wie man am Ende ankommt? Der Weg in den Himmel ist keine dreispurige Autobahn. Jesus hat von einem Nadelöhr gesprochen. Wir kommen wohl nicht automatisch alle in den Himmel (weil wir so brav sind). Es geht schon darum, dass wir uns hier und jetzt auf den richtigen Weg machen. Und wie geht das? Jesus gibt die einfache Antwort: Gemeinsam mit mir.
Jesus ist kein Navi. Er gibt uns keine Wegbeschreibung. Er ist selbst ist der Weg. Und den Weg kennt er, wie kein anderer. Seinen Jünger sagt er es klar und deutlich: „Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist.“ (Joh 14, 11) Damit bekommt die Zusage Gottes eine ganz neue Dimension: Gottes Offenbarung an Mose Ich bin „Jahwe“ – „Ich bin – Ich bin da“ bekommt in Jesus ganz konkrete, menschliche Züge. „Ich bin die Tür“ (Joh 10,9), sagt Jesus von sich – durch mich findest du den richtigen Zugang. „Ich bin selbst das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern das Licht des Lebens haben.“ (Joh 18,12)
Gleich im Anschluss an das heutige Evangelium wird Jesus das Gleichnis vom Weinstock erzählen. Und damit seine Jünger einladen: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch.“ (Joh 15,4)
Wir sollten uns darauf wieder mehr besinnen: dass wir nicht nur Christen heißen, sondern mit unserer Taufe in Wahrheit auch sind. Jesus lebt uns nicht nur vor, wie es gut geht. Er ist mehr als nur ein Vorbild. Er lebt in uns, und geht mit uns. Er ist schon jetzt unser ewiges Leben. „Jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ (Joh 11,26)
In jeder Heiligen Messe erfahren wir es ja leibhaftig. Wir hören nicht nur sein Wort. Wir dürfen ihn dann auch empfangen. Er gibt uns nicht nur Brot, er selbst ist das Brot. „Ich bin das das Brot des Lebens. […] Wer von diesem Brote isst,  wird in Ewigkeit leben.“ (Joh 6, 48; 51) Ihn mitnehmen auf unseren Weg. Und mit ihm leben. Er in uns und wir mit ihm. Wie könnten wir uns da am Ende verlaufen?

Bei ihrer Erstkommunion haben unsere Kinder ihr Kommuniongebet gesprochen, das auch für uns Erwachsene wegweisend sein will:
„Du mein Jesus bist mein Leben, alles hast Du mir gegeben.
Du sollst immer mit mir gehen, was auch immer mag geschehen.
Du mein Jesus bist mein Freund, ganz bin ich mit Dir vereint.
Du in mir und ich in Dir. Herzlich dank ich Dir dafür.“  Amen.

30.04.2017
Nach Ostern? – Ostern nach!
Gedanken zum Evangelium am 3. Sonntag der Osterzeit von Pfarrer Ulrich Lindl

Hierzulande hat man sich an Ostern gewöhnt wie an den Weihnachtsmann, beides hat für viele viel mit Urlaub zu tun, aber nur noch wenig mit dem Glauben. Aber genau darum geht´s doch. Dass wir an Ostern glauben. An die Auferstehung, ans Leben, das  ans Überleben nach dem Tod. Freilich, wenn das so einfach wäre…! Aber einfach war Ostern noch nie.

Und in so manchem Kopf rebelliert es: “Selbst, wenn ich dem Schauspiel einer Totenerweckung selbst zuschauen könnte, so würde ich doch viel eher wahnsinnig als gläubig werden.“ Dieser Aufschrei der Vernunft stammt aus dem Mund des großen Französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau. Ostern kann man nicht einfach begreifen, Zuschauen allein genügt nicht. Um Ostern muss man sich bemühen, ja ringen.

Der Ostermorgen beginnt darum auch nicht mit Pauken und Trompeten und es wurden auch keine Ostereier versteckt. Zwei Frauen tasten sich im Morgengrauen zum Grab. Wir hören kein Oster-Halleluja, wir sehen Tränen der Trauer. Und dann bloß noch Fassungslosigkeit. Das Grab ist leer! Wo ist Jesus?

Aber jetzt kommt die entscheiden Wende: Die Frauen bleiben nicht totenstarr am Grab stehen. Sie laufen vom Grab weg. Furcht und Freunde treibt sie hin zu den Jüngern.
Auch für sie ist jetzt kein Halten mehr… Wo ist Jesus? Ostern macht Beine.  Waren nicht auch die Jünger von Emmaus unterwegs? Bewegt nicht auch sie nur das eine Thema: Was ist mit Jesus?! Und dann ist da noch Thomas. Eine ganze Woche treibt ihn der Zweifel um.
Ostern bringt in Bewegung. Alle suchen ihn. Und alle werden sie ihn am Ende auch finden. Auch Thomas – und wie!

Osterzeit ist Begegnungszeit mit dem Auferstandenen. Nicht sogleich freilich und auch nicht auf den ersten Blick werden sie ihn erkennen, wie könnte man nur… Ostern braucht Zeit, ein genaueres Hinschauen ist schon nötig. Osteraugen, die erkennen: Ja, es ist der Herr! Jesus ist derselbe, aber ganz anders derselbe: er ist auferstanden!

Mich packen diese Osterbegegnungen jedes Jahr wieder. Dieses Hin- und Hergerissenwerden, das schließlich zur Gewissheit wird: Jesus lebt! Was für mich Ostern so glaubwürdig macht, sind diese ersten Zeugen, die ja alle alles andere als leichtgläubig waren.

Der Auferstandene ist ihnen aber auch entgegengekommen: Maria, die ihn zunächst mit dem Gärtner verwechselt, ruft er liebevoll bei ihrem Namen. Mit zwei Jüngern geht er den Weg mit nach Emmaus und bleibt bei ihnen, um mit ihnen Erstkommunion zu feiern. Den „Zweifler“ lässt er seine Wunden begreifen, bis es aus Thomas herausbricht: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20, 28)

Und ein drittes Mal kommt er zu seinen Jüngern. Wir haben es gerade miterlebt. Diesmal mitten in ihren frustrierenden Alltag. Auf sein Wort hin werfen die Jünger ihre leeren Netze noch einmal aus und holen sie gefüllt wieder ein. Petrus hat die Begegnung mit dem Auferstanden auch beim dritten Mal noch so richtig gepackt. Er hat in diesem Augenblick wohl nichts begriffen. Darum geht es auch gar nicht. Petrus ist ergriffen worden. Darauf kommt es an.

Ostern, war’s das dann? Von wegen! Hier, mitten im Alltag fängt Ostern erst richtig an. Im dritten Anlauf hat es der Auferstandene bis in den Alltag er Jünger geschafft. Das muss ihm auch bei uns gelingen.
Ostern erweist sich als alltagstauglich!

Wir dürfen nicht am Grab stehen bleiben. Nicht bei dem was war. So wird nichts neu. Ostern ist immer Aufbruch zum Leben. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten!“ Das ist der entscheidende Wegweiser. Weg vom Grab, hinein ins Leben. Jesus lebt! Diese frohe Botschaft werden wir nie in unserem Verstand begreifen. Mitten im Leben werden wir ihn finden, wo den sonst. Jesus lebt, mit ihm auch ich! Ja, es waren lebendige Begegnungen mit dem Auferstandenen, die zu dieser Lebenserfahrung geführt haben. Nur so konnte das Lebenslicht von Ostern überleben. Und das hat es!

Es ist Osterzeit  bis Pfingsten. Wir sind also mittendrin. Gehen wir nicht gedankenlos zur Tagesordnung über! Dafür sind die fünfzig Tage nicht gedacht. Nutzen wir die Zeit und bleiben wir dran! Den Auferstanden gilt es immer wieder zu suchen und wir werden ihn finden, mitten unter uns, mittendrin im Leben, mitten in unserem Alltag. Wo hätten wir Ostern auch nötiger!

16.04.2017
Gedanken zu Ostern von Pfarrer Dr. Ulrich Lindl 

Nichts gegen den Rahmen, aber…
Süße Ostereier und goldgelbe Küken, Schokohasen und Osterlämmer aus Biskuit, Hähne und reich bestückte Osterkörbchen und mittendrin die Osterkerze. Um Ostern herum hat sich ein reiches Brauchtum entwickelt. Das ist zunächst mal nicht schlecht. Den Menschen ging es um Ostern. Und alle Bräuche erklären auch etwas von Ostern, so man die Bräuche noch versteht.
Das Ei zum Beispiel als Keimzelle des Lebens. Außen wirkt das Ei tot, doch tiefer betrachtet wächst im Innern Leben heran. Die gelben Osterküken sollen das jedem sichtbar machen.
Ostern darf man nicht verschlafen. Es ist ein Fest für Aufgeweckte. Dafür steht der Hahn und auch für das mutige Bekenntnis. Ja, Ostern braucht Zeugen! Und der Hase? Auch er steht für die Wachsamkeit – ein Hase schläft schließlich mit offenen Augen, so glaubte man. Er muss damit Ostern gesehen haben. Und er ist Symbol für Fruchtbarkeit und damit für ein Phänomen, das wir auch mit Ostern verbinden: aus einer kleinen, verschreckten Jüngerschar hat sich die größte Glaubensgemeinschaft der Welt entwickelt.
Das Licht der Osterkerze ist ein brennendes Hoffnungszeichen für das Überleben im Tod. Und dies breitet sich aus. Gleich zu Beginn der Osternacht. Und danach wird Ostern gegessen. Auch das gehört dazu. Hat sich Jesus doch den Seinen immer wieder beim gemeinsamen Mahl zu erkennen gegeben. Und ein Stück Lebensfreude ist Essen nach der Fastenzeit allemal.
Religiöses Brauchtum und Volksfrömmigkeit haben sich über die Jahrhunderte entwickelt. Sie wurden sorgsam gehegt und gepflegt. Die Menschen haben sich dabei durchaus auch etwas gedacht. Das Brauchtum scheint wie ein prächtiger Rahmen, der zum Bild passt und dem Bild zu noch mehr Geltung verhelfen soll. Wirken aber soll das Bild! Darum macht ein Rahmen nur Sinn, wenn er zum Bild passt. Und gar keinen Sinn macht ein Rahmen, der gar kein Bild mehr umfasst…
Manchmal hat man hierzulande den Eindruck, dass genau dies passiert ist. Man pflegt noch irgendwelche Bräuche, aber man weiß eigentlich gar nicht mehr, wieso und warum. Man staubt den Rahmen ab und übersieht dabei völlig, dass das Bild schon ganz verblasst und zum Teil gar nicht mehr erkennbar ist. Es kommt nur noch auf den äußeren Rahmen an, aber der Inhalt fehlt. Damit verlieren die Bräuche am Ende ihren Sinn wie eben auch der Rahmen. Und am Ende bleibt gar nichts mehr übrig.

Auf den Inhalt kommt es an!
Es ist höchste Zeit, dass wir Christen uns um den Inhalt unsere Feste wieder mehr kümmern. Es lohnt sich. Denn an Ostern geht es um nicht weniger als ums Ganze. Es geht ums Leben, um das Überleben. Wir spüren, dass dieses Bild den Rahmen sprengt. Und richtig, was sich in der Auferstehung ereignet hat, ist nirgends festgehalten. Es gibt kein Bild der Auferstehung. Ostern sprengt eben den Rahmen von Raum und Zeit. Aber es gibt Bilder vom Auferstandenen. Sie versuchen darzustellen, wie sie ihm begegnet sind: Die Frauen am Grab, die Jünger im Abendmahlsaal und dann noch so viele andere… Irgendwie haben sie ihn alle wiedererkannt, und doch war er so ganz anders. Eben nicht „der Alte“, sondern ganz neu – der verklärte Herr. Immer wieder neu und immer wieder ganz überzeugend ist er ihnen begegnet. Darum gibt es in der Kunst auch ganz verschiedene Darstellungen des Auferstandenen. Denken wir nur an den Auferstandenen in Matthias Grünewalds Isenheimer Altar.
Aber Ostern ist mehr als ein Bild. Und Ostern braucht darum mehr als einen Rahmen. Ostern will Begegnung, darum braucht Ostern uns! So wie der Auferstandene den Seinen damals begegnet ist, so will er heute uns begegnen.
Für die ersten Jünger damals gab es kein Halten mehr. „Jesus lebt! Der Herr ist wahrhaft auferstanden!“ Diese Osterbotschaft hat sich wie ein Lauffeuer in alle Welt verbreitet. Über all die vielen Generationen hat sich diese Frohe Botschaft fortgesetzt bis hierher zu uns. Es wäre schlimm, wenn wir die Auferstehung wieder begraben durch Routine und Bequemlichkeit, Äußerlichkeiten oder banalen Kitsch… Und am Ende bleibt gar nichts mehr übrig als die Frage: Was soll das Ganze? Und die Leute fahren statt dessen – wie immer – in Urlaub.
Mir gefällt da der Brauch in der orthodoxen Kirche. Die Gläubigen grüßen sich in österlicher Freude mit dem Zuruf: „Der Herr ist auferstanden!“„Er ist wahrhaft auferstanden!“  Halten wir Ostern lebendig. Sonst sind wir am Ende alle begraben!

Es geht ums Leben!
Was das Ganze soll, werden wir erst verstehen, wenn es um das geht, worum es Jesus gegangen ist. Es ging ihm ums Leben. Das ist die eigentliche Botschaft von allem. Viele Christen weltweit feiern mit uns Ostern unter Lebensgefahr. Die brauchen keinen großen Rahmen, die wissen, worum es geht. Es geht ums Leben. Und die Kirchen sind voll. Im nahen und mittleren Ostern und bestimmt auch in Ägypten. Ja, es gibt Anschlagsdrohungen. Das ist den Christen bewusst. Und sie fragen sich: Sollen wir deshalb auf Ostern verzichten? Oder müssen wir nicht gerade deshalb Ostern feiern?! Dieses Fest des Lebens über den Tod im unerschütterlichen Glauben an das Gute allem Unrecht zum Trotz. Und wo sollen wir denn am Ende hin, wenn wir Ostern begraben und Jesus wieder still und heimlich in das Grab legen…?!
Ein Reporter der Welt führte nach den brutalen Anschlägen vom Palmsonntag auf ägyptische Christen mit dem koptischen Bischof Anban Damian ein Interview. Und stellte ihm die Frage: „Feiern Sie nach den Anschlägen an Palmsonntag Ostern?“ „Ja!“ antwortete der. „Ostern ist das Fest der Auferstehung des Herrn, das Fest seines Sieges über den Tod, das höchste Fest. In der Karwoche feiern wir keinen König auf einem goldenen Thron, sondern einen Menschen, der wegen unserer Verfehlungen ans Kreuz genagelt wurde. Unser Herr Jesus Christus ist der Gekreuzigte, den wir nun in der Karwoche begleiten auf seinem Leidensweg, in seinem Leiden verschwinden alle Leiden der Menschheit. Wir freuen uns an Ostern, mit ihm aufzuerstehen, dass er uns die Hoffnung gibt, mit ihm in alle Ewigkeit leben zu dürfen. Ein Attentäter schafft es vielleicht, uns vierzig Jahre Lebenszeit zu nehmen, doch er kann nicht unser ewiges Leben beenden.“
Rahmen hin oder her, das ist Ostern. Darum geht’s. Und hoffentlich spüren wir auch hier im sicheren Schutz unserer Kirche diese unglaubliche positive Sprengkraft von Ostern: die für alle, die glauben, nicht Tod heißt sondern: Überleben.

14.04.2017
Gedanken zum Karfreitag von Pfarrer Dr. Ulrich Lindl
Die Macht der Machtlosigkeit – Karfreitag

Wie viel Macht hat die Macht? Oder ist Macht am Ende machtlos?
Alle Machthaber dieser Welt glauben an die Macht der Macht. Auch Erdogan. Der ließ einen namhaften Journalisten inhaftieren, weil der doch tatsächlich behauptet hat, auch Erdogan werde nicht ewig regieren…

Gott glaubt an die Macht der Machtlosigkeit. Das stellt er heute, am Karfreitag aller Welt vor Augen. Denn machtloser als angenagelt am Kreuz kann sich Gott nicht machen. Und gibt damit allen Anlass zum Nachdenken und Umdenken.  Und tatsächlich gibt es bereits am Karfreitag im Angesicht des Kreuzes ein erstes Umdenken und eine tiefere Einsicht: Im Augenblick des Todes Jesu bekennt der römische Hauptmann vor seinen Soldaten: „Wahrhaftig, das war Gottes Sohn.“  Und ich erinnere mich, was Jesus vorhergesehen hat: „Wenn ich durchbohrt bin werde ich alle an mich ziehen.“

Das Kreuz Christi verpflichtet uns Christen. Machtlosigkeit ist die eigentliche Macht. Weil sie Gottes Wirken erst zur Entfaltung bringt. Gewiss, die Versuchung Gewalt mit Gegengewalt zu beantworten, ist groß: „Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?“, haben auch die Begleiter Jesu bei seiner Gefangennahme gefragt. Aber nicht mit dem Schwert wurden wir erlöst. Sondern am Kreuz.

Die christliche Glaubenskraft wurde immer dann geschwächt, wenn die auf weltliche Macht gesetzt hat oder noch schlimmer mit ihr kollaborierte. Und immer dann ist die Kirche kraftvoll gewachsen, wenn sie arm und hilflos Verfolgung ausgesetzt war. „Wenn sie mich verfolgt haben, dann werden sie auch Euch verfolgen“, auch  diese Glaubensvorhersage Jesu ist eingetroffen. Die Nachfolge der ersten Christen war Kreuzesnachfolge. Aber anders geht es auch nicht. „Wer mein Jünger sein will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“

So paradox das klingt: Wären die Christen in den ersten Jahrhunderten nicht verfolgt worden, hätte christlicher Glaube wohl nicht überlebt. Der Apostel Paulus spricht es darum offen aus: „Ich will mich des Kreuzes rühmen, den in der Schwachheit kommt Gottes Kraft erst zu Vollendung.“ Die Kirche ist gewachsen auf dem blutigen Boden der Märtyrer.

Das alles ist aus menschlicher Sicht nur schwer einzusehen und noch schwerer auszuhalten. Und doch würden wir Gott Lügen strafen, wenn wir der Gewalt das Wort reden. Nein, wir beten an die Macht der Liebe, die zur äußersten Hingabe bereit ist.

In dieser Überzeugung müssen wir uns in diesen Tagen verbinden mit unseren Mitchristen. Denn weltweit werden Christen verfolgt. Auch und gerade in unseren Tage. „Wir Christen werden in unserem Land wie Insekten behandelt.“  klagte jüngst der koptische Bischof Anban Damian als Reaktion auf die Anschläge in Ägypten.  Bombendrohung für Ostergottesdienste gibt es auch in Damaskus.
Würden wir den Mut aufbringen hinzugehen, wenn schon die Umstellung der Sommerzeit für so manchen ein Hindernis darstellt?
Feiern sie nach den Anschlägen an Palmsonntag Ostern?“, wurde Bischof Damian von einem Welt-Reporter gefragt.Ja!“ antwortete der. „Ostern ist das Fest der Auferstehung des Herrn, das Fest seines Sieges über den Tod, das höchste Fest. In der Karwoche feiern wir keinen König auf einem goldenen Thron, sondern einen Menschen, der wegen unserer Verfehlungen ans Kreuz genagelt wurde. Unser Herr Jesus Christus ist der Gekreuzigte, den wir nun in der Karwoche begleiten auf seinem Leidensweg, in seinem Leiden verschwinden alle Leiden der Menschheit. Wir freuen uns an Ostern, mit ihm aufzuerstehen, dass er uns die Hoffnung gibt, mit ihm in alle Ewigkeit leben zu dürfen. Ein Attentäter schafft es vielleicht, uns vierzig Jahre Lebenszeit zu nehmen, doch er kann nicht unser ewiges Leben beenden.“
Glaube war noch nie eine Garantie für Sicherheit. Für manche Gläubige ist er lebensgefährlich. Aber dieses Zeugnis stärkt die Glaubenskraft!

In den Großen Fürbitten beten wir jetzt nicht nur für die Christen, sondern auch für die Juden und die Muslime und für alle Menschen. Wir beten über alle Grenzen hinweg um den guten Willen der Menschheit, dass wir der Macht der Liebe mehr vertrauen als der Macht der Gewalt. Je mehr diese Einsicht die Menschheit durchdringt, desto menschlicher wird sie. Ganz im Sinne Gottes.

13.04.2017
Gedanken zum Gründonnerstag von Pfarrer Dr. Ulrich Lindl
Eingeweihte Jesu – der Gründonnerstag

Es geht ums Ganze. Für Jesus und auch für uns. In diesen drei Tagen verdichtet sich alles in dramatischer Weise und am Ende löst sich alles auf. Es scheint wie ein dramatisches Geburtsereignis: Es wird eng und immer enger. Und am Ende löst sich alle Anspannung ins Unermessliche der Erlösung.

Wie geschieht Erlösung? Wie werden wir erlöst? Diese Frage hat den Menschen schon immer umgetrieben. Auch damals in Jerusalem. Darum waren sie ja zu Zehntausenden in die Heilige Stadt gepilgert. Man gedachte der Befreiung aus der Gefangenschaft in Ägypten und feierte das Pascha, wie jedes Jahr. Und doch ging es vielen schon längst um eine ganz andere Befreiung – durch das Kommen des Messias, der das Volk, ja die Welt erlösen würde. Aber wie?!

Der feierliche Einzug gestaltet sich vordergründig als eine Macht-Demonstration. Die Menschen jubeln Jesus zu. Der kommt auf einem Fohlen. Ein königliches Reittier. Gewiss. Aber was für ein König?! Das Wort des Propheten Sacharja war den Menschen wohl bekannt: „Sagt der Tochter Zion, siehe dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und reitet auf einer Eselin; auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttieres.“ Da erhebt einer gewiss einen königlichen Anspruch, den er gegenüber Pilatus wiederholen wird. Aber damit enttäuscht er alle gewaltbereiten religiösen Fanatiker: „Ja, ich bin ein König, aber mein Königreich ist nicht von dieser Welt.“  

Was haben sich die Menschen eigentlich von Kommen des Messias erwartet? Was erwarten sie heute? Manchmal fragt man sich: Soll Gott nicht einfach drein schlagen? Aber das hat er damals nicht getan und das tut er auch heute nicht. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Die Gewaltspirale ist kein Weg zum Frieden. „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.“ (1 Joh 4,8) Darum kann Gott nicht mit Gewalt in Verbindung gebracht werden. Wir beten an die Macht der Liebe! In Jesus ist vielmehr die Liebe Gottes unter uns Menschen sichtbar geworden. DAs Friedensangebot des Himmel über der Krippe in Betlehem geht auch vom am Kreuz auf Golgotha aus: „Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind.“ (Lk 2,14)

Wie viele sind mit Jesus eigentlich aus Jerusalem wieder ausgezogen? Es waren wenige und es werden immer weniger werden. Die Wenigen aber werden Zeugen sein, worum es Jesus im Innersten geht:  Am Gründonnerstag kommen wir Jesus menschlich so nahe. Nähe geht nahe. Freilich, Nähe muss man zulassen. Aber Fernstehende sind immer zu weit weg…

Jesus setzt ein Zeichen – und wäscht den Seinen die Füße. Auch dem Judas. Der Meister macht sich zum letzten Sklaven. Petrus protestiert. Aber dann lässt er alles geschehen. Denn nur so, sagt Jesus, hast du Gemeinschaft mit mir. Wahre Größe kommt von unten. Jesus ist für mich darum so glaubwürdig, weil er seine Worte selbst vorlebt.

Darum kann er auch uns aufrufen: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“ Das ist keine äußere Pflicht, sondern die innere Logik der Liebe. Liebe will lieben. Ja Liebe lebt und wächst durch Liebe. So wird die Gabe Christi zur Aufgabe für uns Christen. Freilich muss man dazu erst seine Liebe annehmen. Seine Nähe zulassen. Und genau das will Jesus, Dass wir uns von ihm lieben lassen. In dieses Geheimnis weiht uns die Fußwaschung ein. Wo seine Liebe in uns ist, wird seine Liebe durch uns wirken, sich auswirken auf die Welt. „Die Liebe Christi drängt uns!“ (2 Kor 5,14)

In dieser Haltung der Hin-Gabe geschieht dann auch die Wandlung der Gaben von Brot und Wein. Das zweite Geheimnis, das sich im Abendmahlsaal offenbart. „Nehmt, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird zur Vergebung der Sünden.“ Bevor ihm das Leben genommen wird, gibt er sich selbst hin. Und er hat die Größe, sich auch dem Judas in die Hand zu geben. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde“, hat Jesus gesagt – und er hat es für uns getan. „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Das ist seine Einladung und unsere heilige Pflicht, das Gedächtnis der Liebe in uns lebendig zu halten; in der Kommunion zu bleiben mit Jesus und untereinander.

Im Benedictus wiederholen wir die Worte vom Einzug Jesu: „Hosanna, gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn.“ Und wir bereiten so Jesus den Einzug in unser Allerheiligstes. Wie damals, ganz einfach, ja noch einfacher kommt er jetzt im Zeichen des Lamm Gottes, in der Gestalt des Brotes. Was sich am Palmsonntag äußerlich schon ankündigt , vollzieht sich am Gründonnerstag zuinnerst. Und wir spüren, in welchen Tempel Jesus eigentlich einziehen will: in den Tempel unserer Seele. Dafür ist sie von Ewigkeit her bestimmt: dass Gott in ihr, dass Er in uns wohne.

Am Gründonnerstag weiht uns Jesus ein in die beiden innersten Geheimnisse unseres Glaubens. Welche Auswirkungen das haben kann, hat Mutter Teresa in diesen kurzen Worten auf den Punkt gebracht: „In der Kommunion haben wir Christus in der Gestalt von Brot. In unserer Arbeit finden wir ihn in Gestalt von Fleisch und Blut. Es ist derselbe Christus.“

09.04.2017
Gedanken zur Heiligen Woche von Pfarrer Ulrich Lindl
Die Heilige Woche
Das Fernsehen, das Internet hat unsere Welt verändert. Auch unsere Lebenswelt. Und auch unsere Wahrnehmung. Wir sehen viel, viel zu viel fern… Bilder über Bilder… und fast alles aus der Ferne… Was geht uns eigentlich noch nahe– unter die Haut? Was trifft uns noch? Wir dürfen keine Fernseher werden.

Wir haben die Heilige Woche begonnen und begehen die tiefsten Geheimnisse unseres Glaubens. Eines dürfen wir dabei nicht: dabei stehen. Denn alles kommt allein darauf an, dass uns diese Tage wirklich innerlich nahe gehen. Damit uns nahe geht, was Jesus in diesen Tagen erlebt und erlitten und dass er uns erlöst hat. Es geht ums Ganze unseres Glaubens. Gehen wir mit!

Palmsonntag 
Jesus bricht auf zum Pascha der Juden. Von Jericho aus mit seinen Jüngern, große Pilger ebenfalls auf den Weg. Jesus ist kein Unbekannter. Was immer auch die Menschen von ihm erwartet haben mögen… Erwartungen waren da. Wohl auch die messianische Hoffnung, dass Jesus wieder das Reich Davids herstellen könnte. Zum  Paschafest herrschte  immer eine aufgeheizte Stimmung. Jerusalem platze aus allen Nähten. Auch Pilger aus Galiläa und politische Kräfte in der Stadt. Die Römer verstärkten zu Recht ihre  Sicherheitskräfte.

Von Betfage aus nimmt Jesus den Einzug. Er wählt einen jungen Esel – ein königliches Reittier. Freilich eines Königs der nicht von dieser Welt ist. Ein König des Friedens.

Jesus wird hinaufgehoben wie eine Inthronisation, bei Lk. Kleider werden zu Füßen gelegt. Zweige werden abgerissen ein königlicher Einzug. Die Begeisterung der Menge wird laut. Die Tore Jerusalems stehen Jesus offen. Die Menschen jubeln: „Hosanna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ (Ps 118)

Das Wort des Propheten Sacharja war den Menschen wohl bekannt: „Sagt der Tochter Zion, Siehe dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und reitet auf einer Eselin; auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttieres.“
Die Menschen haben verstanden. Da erhebt einer gewiss einen königlichen Anspruch, den er gegenüber Pilatus wiederholen wird. Aber er enttäuscht damit auch alle zelotischen Kräfte, denen wohl auch Judas zugerechnet werden muss. „Ich bin ein König, aber mein Königreich ist nicht von dieser Welt.“ 

Ganz Jerusalem geriet in Aufregung berichtet Mt. Und fragt: „Wer ist das? Und die Leute sagen: das ist der Prophet Jesus von Nazareth aus Galiläa.“ Die Menschen die ihn begleiten und zujubeln sind nicht dieselben die in Jerusalem leben und seine Kreuzigung fordern werden.

Am Palmsonntag waren auch viele von uns auf den Beinen. Glaube bringt in Bewegung –das ist gut so.  Palmsonntagsprozessionen beginnen oft im Freien. Glaube geht aus sich heraus. Wir dürfen uns nicht verschanzen hinter Kirchenmauern. Und das erste Ziel: die Kirche. Das Haus Gottes mitten unter uns. Die Kirche im Dorf ist wichtig. Aber die Kirche bleibt nur dann im Dorf wenn auch das Dorf in der Kirche bleibt.

Aber die Prozession geht noch weiter: Es kommt auch darauf an, dass Jesus seinen Weg findet in unser Inneres. In das Allerheiligste unserer Seele. Dass wir auch innerlich aufmachen und für ihn zuinnerst ganz offen sind. Ihn willkommen heißen in unserer Mitte.

Im Benedictus wiederholen wir die Worte vom Einzug Jesu: „Hosanna, gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn.“ Und bereiten so Jesus den Einzug in unser Allerheiligstes. Wie damals, ganz einfach, noch einfacher kommt er jetzt im Zeichen des Lamm Gottes, in der Gestalt des Brotes.

Aber auch das haben wir heute vernommen. Wie schnell die Stimmung umschlägt. In der Liturgie des Palmsonntags wurde bereits die Passion verkündet. Schon bald werden die Menschen nicht mehr Hosanna rufen, Gelobt sei der der kommt im Namen des Herrn, sondern die Massen werden lauthals fordern: „Ans Kreuz mit ihm!“

Auch darum muss uns die Heilige Woche in der Tiefe bewegen: Damit unser Glaube nicht oberflächlich bleibt. Und wir so Christus die Treue halten können, in guten und in schweren Tagen. Uns nicht abhängig machen in unserem Glauben von Mehrheiten. Die Wahrheit richtet sich nicht nach der Mehrheit.

Im Evangelium haben wir den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem miterlebt. Allerdings erfahren wir nichts darüber, wie viele ihn aus Jerusalem hinausbegleitet haben. Eine Hoffnung hat Jesus jedenfalls nicht erfüllt: Die Gegengewalt der Römer durch Gegengewalt zu besiegen. Vielleicht haben sich deshalb so manche aus Enttäuschung schon jetzt von ihm abgewandt. Und es werden in den kommenden Tagen immer weniger, die bei ihm bleiben. Die wenigen aber werden miterleben, worum es Jesus wirklich geht. Um Hingabe aus Liebe, die am Ende stärker ist als der Tod – und darum Leben schenkt. Über-Leben.

02.04.2017
„I am Third“ – oder: Wer mir wirklich wichtig ist…
Gedanken zum 5. Fastensonntag von Pfarrer Ulrich Lindl

Wer oder was ist mir wirklich wichtig?
Eine wichtige Frage. Es kann leicht geschehen, dass sich ein Mensch im vielen Allerlei verliert. Was ist eigentlich wichtig? Eine Frage, die dem Menschen Konzentration auf das Wesentliche abverlangt. Aber jede Anstrengung lohnt sich. Denn gute Antworten auf die Frage sind Schlüssel zum Glück.
Was ist mir also wichtig? Die Antwort darauf hat sich ein berühmter Basketballspieler bei den Chicago Bears auf einen Anhänger graviert und umgehängt. Sie lautet: „I am Third.“ – „Ich bin der Dritte“. Oder noch besser: „Ich komme an dritter Stelle.“ Also nicht an erster und auch nicht an zweiter Stelle, aber immerhin an dritter. Ich bin mir (auch) wichtig, und das ist richtig. Gewiss darf man sich selbst nicht zu wichtig nehmen, nur das „Ich“ groß schreiben. Egomanen machen selten einen glücklichen Eindruck. Umgekehrt darf man sich selbst auch nicht vergessen. Es gibt Menschen, die nur auf andere schauen und für andere leben und sich dabei selbst ganz aus dem Blick verlieren.

Die Frage nach dem, was mir wichtig ist, stellt die Frage nach dem Glück. Was macht mich glücklich? Nicht nur für den Augenblick, sondern auf die ganze Sicht meines Lebens? So mancher Zeitgenosse braucht da eine ganze Menge Zeit. Viele Leute sind heute als Schmetterlinge unterwegs. Mal hier mal dort kurz den Rüssel reinhalten und alles Mögliche ausprobieren. Bis man dann in die Midlifecrisis gerät. Bei den Ü 40 Partys hört´s ja auch endgültig auf. Was aber dann? Spätestens dann sollte noch einmal die Suche losgehen. Und die kann anstrengend sein, denn Glück findet sich nicht an der Oberfläche. Glück hat auch wenig zu tun mit einem kurzen Kick, schon vielmehr mit Zufriedenheit. Innere Zufriedenheit zeugt am Ende von einem geglückten Leben.

Freundschaft macht glücklich
Zurück zu diesem Anhänger… Denn der Basketballspieler verriet auch, was bei ihm an zweiter Stelle kommt. Richtig: „Meine Freunde.“  Glückliche Menschen leben in guten, freundschaftlichen Beziehungen. Sie haben Menschen, die sie verstehen und lieben. Das hat eine Harvardstudie erst kürzlich wieder bestätigt. Freundschaft muss man darum pflegen. „Nimm dir Zeit für deine Freunde, sonst nimmt die Zeit dir deine Freunde.“ Auch Familie ist ein Glücksbringer. Familienglück ist darum allen Einsatz wert.
Übrigens: unsere Kommunionkinder habe ich unlängst gefragt, wer denn ihr bester Freund, ihre beste Freundin ist. Und wir sind nach einigem Überlegen drauf gekommen: Gott, wer denn sonst. Er kennt mich am längsten. Er kennt mich am besten. Er liebt mich am meisten.
Gläubige Menschen sind wohl auch darum glücklicher und zufriedener, weil sie um diese Freundschaft wissen und sie leben. Gott, der Freund meines Lebens. Daran erinnern  mich immer wieder Ordensfrauen: Sie haben nicht nur die höchste Lebenserwartung, sondern strahlen oft auch eine tiefe innere Zufriedenheit aus.
Wie hat es Papst Benedikt so schön auf den Punkt gebracht: „Wer glaubt, ist nie allein“.  Und der Heilige Papst Johannes XXIII wusste: „Wer glaubt, zittert nicht.“

Die Überlebensfrage des Glücks
Vor allem aber macht Glauben Sinn. Denn das größte Unglück ist doch, wenn man auf einmal sein ganzes Glück verliert. Maria und Martha begegnen uns im Evangelium in diesem tiefen Unglück. Ihr Bruder Lazarus ist soeben gestorben. Jesus war ihre letzte Hoffnung. Aber er kommt jetzt zu spät. Was bleibt? Ist jetzt nicht alles zu Ende, sinnlos und leer?
Auf alle Fälle stellt der Tod alles in Frage. Der Tod ist der Glückskiller schlechthin. Und dann? Dann stellt sich die Glaubensfrage zwischen Leben und Tod. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Das ist die Überlebensfrage menschlichen Glücks. Glaubst du das? Martha gibt ihre ganz persönliche Antwort: „Ja, Herr, ich glaube, dass Du der Messias bist, der in Welt kommen soll.“ (Joh 11,27)

Damit wird klar, wer den alles entscheidenden ersten Platz einnimmt. Auch darüber hat der Basketballer Auskunft gegeben: Ganz oben, auf dem Siegertreppchen seines Lebens steht Gott – an erster Stelle.
Gott ist mir am wichtigsten. Glücklich, wer das von sich bekennen kann. Und ich füge gleich hinzu: auch wir sind Gott am wichtigsten. Am Karfreitag werden wir es wieder spüren: Wie wichtig wir für Gott doch sind!
Damit lohnt sich am Ende, die Frage noch einmal herumzudrehen. Was ist Gott eigentlich wichtig für uns, für mich ganz persönlich? Jesus hat sich diese Frage selbst immer wieder gestellt und versucht, den Willen Gottes zu tun. „Es ist meine Speise, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt.“ (Joh 4,34) Darum hat er mit den Seinen gebetet und er betet auch mit uns: „Dein Wille geschehe!“ Daran hat er sich bis zuletzt auch gehalten. Bis hinein in sein Ringen am Ölberg. „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ (Lk 22, 42) So war es dann auch.
Und was ist Gott am wichtigsten? Ein Wort sagt wohl alles: die Liebe. „Denn Gott ist die Liebe.“ (1 Joh 4,7) „Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft […] und deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mk 12,31)
Und was könnte mehr Glück schenken als eben die Liebe. Oder wie es der Psalmist Gott bekennt: „Mein ganzes Glück bist du allein!“ (Ps 16,2)

19.03.2017
Gedanken zum 3. Fastensonntag von Pfarrer Ulrich Lindl

Jeder ist sich selbst der Nächste…
Stimmt´s oder stimmt´s nicht? Eigentlich sollte mir keiner näher stehen als ich mir selbst. Fangen wir also beim Thema Achtsamkeit bei uns selber an. Nichts liegt näher. Nichts liegt aber oft auch ferner.
Man ist für gewöhnlich recht schnell bei der Hand, andere zu beurteilen. Da sieht man ja sofort, was los ist… Aber wann schau ich eigentlich mal auf mich selbst? Man kann sich ruhig mal ehrlich in die Augen schauen. Wie geht´s Dir denn? Man kann sich selber spüren… wie fühlst Du Dich in Deiner Haut?
Achtsamkeit ist eine Kunst, die zum richtigen Maß verhilft. Maßvoll leben. Das ist keine Einschränkung. Die Betonung lege man getrost auf maßvoll. Das Wort maßleer gibt es bekanntlich gar nicht. Und das ist auch gut so! Was ist das rechte Maß? Was ist zu viel, was ist zu wenig?
Und da gibt es noch so ein hilfreiches Wort: „genügsam“. Klingt auf´s Erste nach Verzicht und Entsagung, appelliert aber vielmehr an das Gespür für das, was ich habe. Wann habe ich genug. Und mehr brauchen wir doch auch nicht… Genug ist genug, an Arbeit, an Vergnügen, an Geld und auch an Konsum. Es soll ja Menschen geben, die nie genug bekommen… Genügsamkeit ist eine Tugend. Wieder einmal prüfen, was ist eigentlich genug und wann habe ich eigentlich genug? Überlegungen, die zu durchaus zu mehr Zufriedenheit verhelfen können.
Und auch diese Frage ist achtsam: „Was geht?“ – „Geht´s noch?“ A bisserl was geht immer, sagt man ja bekanntlich. Aber was ist eigentlich dieses „Bisserl“? Gerade für ältere Menschen tut sich da oft ein großes Lernfeld auf. Wenn Menschen heranwachsen, dann geht mit den Jahren immer mehr. Beim Älterwerden ist es umgekehrt. Man muss sehen, was nicht mehr geht. Und lernen gut damit umzugehen. Älter werden wollen bekanntlich ja so ziemlich alle, aber alt sein?
Was geht noch? Was geht nicht mehr? Und dann darauf acht geben:
Was geht – geht! Sich nicht gehen lassen… Was nicht mehr geht, gehen lassen…  Achtsamkeit im Alter heißt damit wohl vor allem: Auf sich selbst mehr Rücksicht nehmen und zu lernen für sich zu sorgen.
Oft genügt wirklich ein Augenblick des Innehaltens, um heraus zu spüren: Du, wie geht´s Dir eigentlich mit mir? Fühlst Du dich wohl in meiner Haut? Selbstgespräche dieser Art sind durchaus sinnvoll. Sie bringen uns uns selbst näher. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal ein gutes Wort für mich übrig gehabt? Wann zuletzt ernsthaft mit mir geredet? Mit sich selbst in Kontakt zu stehen, ist wichtig und dabei achtsam zu sein.
Dazu rät schon der jüdische Talmud:
„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.
Achte auf deine Worte, denn sie werden zu Taten.

Achte auf deine Taten, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden zu deinem Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.“
Gibt also gut auf Dich  acht!

Geben wir aufeinander acht!
Und dann gibt es die Achtsamkeit füreinander. „Lass dich mal anschauen!“ Dieser Satz ist uns wohl allen von Kindesbeinen an vertraut. Er sollte unser leben belgleiten. Ich hoffe, wir haben Menschen, die auf uns schauen. Und sich so ihre Gedanken machen. Und es uns dann auch hoffentlich sagen, wenn ihnen etwas auffällt. Menschen, die auf uns acht haben, die auf uns schauen, sind Menschen, denen viel an uns liegt. Für diese Menschen sollten wir dankbar sein, auch, ja gerade dann, wenn sie uns auf unangenehme Wahrheiten aufmerksam machen. Oft schaut man ja viel zu lange zu und sagt nichts. Warum eigentlich?
Brautpaaren gebe ich diese Empfehlung immer mit auf den Weg: „Suchen Sie sich gute Eheanwälte, die auf sie schauen!“ Und ist nicht auch der Segen ein Zeichen dafür. Wenn eine Mutter ihr Kind segnet, dann stellt sie das Kind unter die Achtsamkeit Gottes. Auch Erwachsene können sich übrigens segnen.

Gott, gib acht auf mich!
Auch ein gelebter Glaube verhilft zu einem achtsamen Leben. Denn gläubige Menschen leben nicht einfach drauf los, sondern versuchen vor Gottes Angesicht zu leben. Ein schöner Gedanke, der nichts mit Überwachung zu tun hat. Sondern vielmehr mit dem liebevollen Blick eines Gottes, der uns will und eines für uns möchte: dass es mit uns gut geht. Letztlich ist darum eine heilsame Übung, sich immer wieder – und sei es nur einen Augenblick, bewusst in die Gegenwart Gottes zu stellen. Und sich zusammen mit ihm mal anzuschauen. Warum nicht auch einmal sich selbst ins Gebet nehmen…!

12.03.2017
Alles klar?
Gedanken zum Evangelium des 2. Fastensonntags von Pfarrer Ulrich Lindl

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus. Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst! Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus. Während sie den Berg hinab stiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Alles klar?
Es wird abgeklärt und aufgeklärt.
Fakten müssen her. Analysen sind gefragt.
Abgeklärte Zeitgenossen in einer aufgeklärten Welt.
Für Geheimnisse wird es damit ganz schön eng.

Aber was geht uns so wirklich auf? Was können wir uns wirklich erklären? Das heutige Evangelium richtet sich nicht an den vermeintlich gesunden Menschenverstand. Es ist auch nicht leicht verständlich für Leute, die es am liebsten Schwarz auf Weiß haben.
Es ist vielmehr eine wunderbare Einladung an alle, die bereit sind, sich vom Unbegreiflichen ergreifen zu lassen um wirklich begreifen zu können. Gott und die Welt hegen Geheimnisse, die wir nicht in Großrechnern zerbröseln und unter Mikroskopen zerlegen dürfen.
Das Leben erklärt sich viel lieber und erschließt sich viel tiefer in Augenblicken.
Und was für ein Augenblick erwartet die Jünger!

Nicht durch Zufall nimmt sie Jesus erst mal mit auf den Berg.
Der Aufstieg auf einen Berg ist immer auch der Ausstieg aus den Niederungen des Alltags, aus der Normativität des Faktischen, die das Leben oft so kurzsichtig und kurzatmig macht. Obwohl der Berg Tabor kaum 600 Meter hoch ist, von dort oben hat man eine wunderbare Weitsicht über ganz Galiläa. Die Welt sieht auf einmal so ganz anders aus. Und auch dem Himmel kommt man näher. Es ist alles andere als ein Zufall, dass die großen Offenbarungen Gottes auf dem Gipfel der Berge geschehen.
Was dann passiert, ist auch nicht mehr zu erklären. Jesus wird verklärt. Eine unbeschreibliche Ausstrahlung. Ein Moment zwischen Himmel und Erde, Gott und Menschen, der alles Begreifliche himmelweit übersteigt. Mose und Elija eilen zu Hilfe. Die großen Wegweiser aus Gesetz und Propheten. Ein Gipfeltreffen der besonderen Art. Sie reden mit Jesus. Die eigentliche Erklärung aber, die kommt von ganz oben: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. Auf ihn sollt ihr hören.“ (Mt. 17, 5) Hier wird die Verklärung zu einer göttlichen Erklärung. Zu einer wahren Offenbarung!

Ein Augenblick der Verklärung. 
Petrus, Jakobus und Johannes sind ganz außer sich. Alle Worte bleiben da Gestammel. Worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen – und staunen. Wie schwer fällt das dem Menschen im Anblick des Unfassbaren.
Petrus will gleich etwas machen. Klar. Am besten was bauen. Drei Hütten. Aber das geht nicht. Wie könnte man den Himmel auf Erden in Hütten fassen.
Diese unbeholfene Fassungslosigkeit wirkt irgendwie auch rührend. Menschen geraten außer Fassung. Bleiben nicht im Gewohnten, weil es auch das Ungewöhnliche, das Außergewöhnliche gibt.
Haben Sie auch schon einmal einen unvergleichlichen, unvergesslichen Augenblick erlebt, der Sie fassungslos gemacht hat? Wie in einem Reflex wünscht man sich, dass er nie vorübergeht. Und doch sind diese Augenblicke gerade darum himmlische, weil sie nicht bleiben. Den Himmel auf  Erden gibt es nicht. Aber doch so etwas wie ein Ahnung davon. Himmlische Augenblicke gilt es darum sorgsam zu bewahren.

Auch auf dem Berg bleibt man nicht. Es folgt zwangsläufig der Abstieg. Vor Jesu liegt ein harter Weg. Denn der nächste Berg heißt für Jesus Golgotha.
Die Jünger sollen niemandem etwas erzählen. Nichts zerreden, dafür umso mehr bewahren, was sie erlebt haben. Die himmlischen Augenblicke, die uns in einem Moment alles so klar erklären, sind kostbar. Wir müssen sie aufnehmen und mitnehmen – gut verwahrt. Wir brauchen sie gerade in den Zeiten des Lebens, in denen alles unklar ist und dunkel. Diese Zeiten gibt es ja auch. Für die Jünger werden sie bald kommen. „Habt keine Angst!“ Das sind die Worte, die Jesus seinen Jüngern mit auf den Weg gibt.

In Jerusalem wir Petrus Jesu verleugnen und alle anderen machen sich, bis auf Johannes, aus dem Staub. Was ist eigentlich aus dem Augenblick der Verklärung geworden? Hat die Begegnung auf dem Berg Tabor nicht alles ein für allemal klar gemacht und erklärt?
Jesus werden sie noch einmal verklärt sehen. Dann nach Ostern als den Auferstandenen. Als einziger wird Thomas noch nach Beweisen fragen, nach harten Fakten. Aber am Ende wird alles wieder zu einem einzigen Augenblick der Begegnung mit ihm, dem Auferstandenen, dem verklärten Herrn. Wir begreifen wohl wirklich erst, wenn wir ergriffen werden…!

18.02.2017
Es geht auch anders…!
Gedanken zum Evangelium am 7. Sonntag i. Jahreskreis (Mt 5, 38-48) von Pfarrer Ulrich Lindl 

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: 

Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.

Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.

Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.

Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?

Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?

Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

Es geht auch anders…!
„Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Na klar! Mit gleicher Münze wird heimgezahlt. Das ist nur recht und billig. Und wenn mich einer auf die rechte Wange schlägt, dann schlag ich selbstverständlich gleich zurück.
Wenn mir einer das Hemd wegnehmen will, dann geb´ ich´s natürlich nicht her, sondern kämpfe um mein Recht; wenn´s sein muss bis zur letzten Instanz. Und im Übrigen lasse ich mich zu gar nichts zwingen. So weit käm´s noch…!
So denkt der Mensch… und alles bleibt beim Alten.

Jesus tickt anders
Das macht die Botschaft Jesu zu einem wirklich Neuen Testament. Dass Jesus so ganz anders tickt. Dass er die menschliche Denke immer wieder so richtig auf den Kopf stellt und von den Seinen verlangt, dass sie sich doch bitte gleich mit auf den Kopf stellen sollten. Damit sie endlich verstehen, worum es ihm geht… Und worumn es ihm geht, das sagt er am Ende des heutigen Evangeliums klar und deutlich: „Ihr sollt vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.“ (Mt 5,48)
Da traut uns Jesus allerhand zu. Aber wie immer hilft er uns bei der Umsetzung: Er redet uns gut ins Gewissen und lebt uns dann auch vor, wie´s geht.
Aber warum sollen wir vollkommen sein, oder gar heilig, wie es in der Lesung aus dem Buck Levitikus verlangt wird? Die Begründung wird gleich mitgeliefert: Weil Gott vollkommen ist, weil Gott heilig ist. Und wenn wir zu ihm gehören wollen, -und das wollen wir doch!- müssen auch wir versuchen vollkommen zu werden und heilig zu sein. „Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig.“ (Lev 19,2)
Die allgemeine Berufung zur Heiligkeit hat das II. Vatikanische Konzil ausdrücklich hervorgehoben. Und zugleich festgestellt, dass jeder Christ gleichermaßen berufen ist, heilig zu werden. Dazu sind wir auch befähigt, weil wir den Geist empfangen haben, der uns zu Kindern Gottes macht. Daran erinnert Paulus seine Gemeinde in Korinth: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnt?“ fragt Paulus die Korinther (1 Kor 3,16). Christen leben nicht nach dem Zeitgeist, sie sind nicht abgebrüht, berechnend und knallhart. Nicht die Weisheit dieser Welt ist es, nach der wir uns richten sollten, sagt Paulus. Nein, es geht wirklich um eine Weisheit, die wir aus dem Geist Gottes erlangen. Wir wissen doch, wessen Geistes Kinder wir sind! Das macht Christsein zu einer echten Alternative für die Welt.

Alltagstauglich geprüft
Darüber kann man schön predigen. Aber lässt es sich auch im Alltag umsetzen, was Jesus von uns fordert? Weil es genau darum geht, das Evangelium im Alltag umzusetzen, gibt Jesus immer wieder ganz konkrete Beispiele mit auf den Weg. Alltagstaugliche Vorschläge.  Schauen wir sie also noch einmal drauf:
„Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Dieser Grundsatz des Alten Testament ist ja schon mal ein echter Fortschritt. Weil Gewalt und Gegengewalt verhältnismäßig bleiben müssen. Aber dennoch führt es am Ende dazu, dass es immer mehr Zahnlücken und Einäugige gibt. Was wäre wohl zu erwarten, wenn da einer eine Watschen einfängt und eben nicht zurück schlägt, sondern tatsächlich den Schläger freundlich einlädt, doch bitte auch noch auf die andere Backe zu schlagen. Ob der wirklich nochmal zuschlägt?
Beispiel 2: Nehmen wir die Meile, die ich da mitgehen soll…. und ich mache mich tatsächlich freiwillig auf den Weg. Wie wird das Gespräch unterwegs wohl ausfallen. Und worüber wird das Gespräch wohl gehen, wenn ich nach der ersten Meile anbiete, noch eine zweite mit zu gehen?
Und wie wird sich einer wohl fühlen, der mir das Hemd wegnehmen will, und ich schenke ihm den Rock noch dazu?
Und was geht wohl in einem vor, den ich auf der Straße freundlich grüße, ohne ihn zu kennen. Was macht ein freundlicher Gruß erst aus einem Menschen, mit dem ich schon lange zerstritten bin? Und was wohl ein Gebet für einen Menschen, mit dem ich mich schwer tue, bewirken könnte …? In mir … in ihm, in ihr?

Grund zum Umdenken
Wir merken, dass sich in dieser Welt nur dann etwas zum Bessern ändert, wenn es Menschen gibt, die sich zum Besseren ändern. Und die Änderungsvorschläge Jesu sind ganz einfach gut! Sie laden ein zum Umdenken. Wenn wir umdenken, dann werden wir in so manchen Situationen auch anders handeln. Und wenn wir anders handeln, werden andere vielleicht umdenken und auch sie hoffentlich anders handeln. Es kommt immer auf den Versuch an…! Sagen wir nicht von vornherein: ich allein kann doch nichts ausrichten. Die Beispiele Jesu sind so einfach, dass sie wirklich für den Alltag taugen, und jeder etwas damit anfangen kann. Am Anfang waren es kleine Christen, die dadurch aufgefallen sind, dass sie so anders waren, als die anderen. „Seht, wie sie einander lieben!“ haben die Gegner über die jungen Christengemeinden gestaunt. Und sie haben es kaum glauben können, dass sie ihren Verfolgern friedfertig entgegentreten und für ihre Verfolger auch noch beten. Natürlich hat die heidnische Umwelt darüber den Kopf geschüttelt, aber dann haben immer mehr nachgedacht und umgedacht und ihr Leben geändert. Das Evangelium hat sich so ausbreiten können als eine wirklich neue gute Botschaft. Wir sollten Jesus mehr Glauben schenken. Und versuchen, wirklich das zu tun, was er uns sagt. Und wir könnten sehen, wie sehr er doch immer wieder Recht hat.
Ein junger Kaplan in Augsburg –es ist schon einige Jahrzehnte her- hat sich unterwegs in seiner neuen Stadtpfarrei gewundert, warum die Menschen auf den Straßen so mürrisch und unfreundlich daher kamen. Sie gingen aneinander vorbei, schauten aneinander vorbei, lebten aneinander vorbei. Ob er dieses Evangelium gedacht hat…? Jedenfalls hat er irgendwann einmal damit angefangen, die Menschen ins Gesicht zu blicken und sie mit einem freundlichen Lächeln zu grüßen. Und plötzlich ging ein freundliches Lächeln in dem Stadtviertel auf, das seinen Weg fand in immer mehr Herzen.

05.02.2017
Gedanken zum Evangelium des 5 Sonntags i. J.
von Pfarrer Ulrich Lindl 

 „Ihr seid das Salz der Erde.
Ihr seid das Licht der Welt!“

sagt Jesus seiner noch ganz kleinen Jüngergemeinde. Nicht: Ihr seid das Salz im See Genezareth oder das Licht für Jerusalem. Nein, Jesus geht es um die ganze der Welt- um alle Menschen.
Da ist es gut zu wissen: Es braucht nur wenig Salz um den Geschmack im Leben zu verändern. Und bereits wenig Licht kann eine ganze Dunkelheit durchbrechen. Das hat der kleinen Herde am Anfang wohl Mut gemacht. Denn die Wenigen haben am Ende unglaublich viel bewirkt. Aber sie mussten erst selbst „gesalzen“ werden. Geschmack finden. Die Botschaft vom Reich Gottes musste sie erst packen und begeistern. Und das Licht Jesu, der von sich selbst sagt: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen!“ (Joh 8,12) musste ihnen erst selbst einleuchten, damit sie ausstrahlen konnten.

„Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.“ Jesus traut den Seinen viel zu. Nicht weniger als alles. Eine ganze Welt! Jesus denkt global, denken wir mit ihm mit. Es gibt da keine Alternative. Keine Abschottung und ja keine Mauern!
Jesus selbst hat doch die eigentliche Grenze zwischen Himmel und Erde ein für alle mal überbrückt. Jesus will verbinden. Himmel und Erde, Gott und Mensch. Und uns Menschen untereinander.
Jesus will uns die Augen öffnen für die Weltsicht Gottes. Für Gott gibt es nur eine Welt.  Eine zweite Welt haben wir tatsächlich nicht und eine dritte Welt darf es um Gottes Willen nicht geben. Eine wichtige und heilsame Erkenntnis.

Global denken, global handeln ist Auftrag der katholischen Glaubensgemeinschaft, die sich schon immer als Weltkirche verstanden hat. Und zu Recht ist der Begriff „Eine Welt Arbeit“ in Deutschland zu einem Markenzeichen geworden, für alle Bemühungen, weltweit zusammenzudenken und gemeinsam zu handeln. Kein Problem der Welt lässt sich abschotten durch eine Mauer, die Menschen immer wieder aufbauen, nur um ihren eigenen Vorteil zu sichern.

Die globalen Klimaveränderungen sind geradezu ein alarmierender Hinweis des Himmels.
Keine Mauer ist hoch genug um die Klimaveränderungen aufzuhalten. Und wir haben nur ein Weltklima. Auf der Weltklimakonferenz in Paris wurde der Ernst der Lage erkannt. Was politisch diskutiert wird, ist aber längst zur existentiellen Bedrohung vieler Menschen geworden. Und das Traurige daran ist: die Folgen der Klimaerwärmung treffen zuerst und vor allem die, die am wenigsten dafür können. Auch in Europa sind bereits leichte Klimaveränderungen zu registrieren. Aber anderswo drohen Menschen unterzugehen. Die Verantwortlichen müssen rasch handeln. Und verantwortlich sind wir letztlich auch wir.

Und da ist die Grenze zwischen arm und reich. Wie viele Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Und diese Grenze scheint fest zementiert. Aber können und dürfen wir das? Menschen aufteilen in arm und reich. Die Lebenserwartung wird bereits in die Wiege gelegt. Das ist nicht die Mitgift Gottes. Wir alle sind Menschen. Und wir leben alle in der einen Welt. Und diese eine Welt ist Seine Welt. Es gibt keine unterschiedlichen Anteilsrechte. Gott hat die Welt allen Menschen zu gleichen Teilen zugedacht. Die Würde des Menschen vor Gott ist gleich. Daraus resultieren auch gleiche Rechte. Menschen-Rechte. Wir haben nicht das Recht, die Welt Gottes unter uns aufzuteilen in reich und arm.

Was eigentlich allen klar sein sollte, bringen uns oft erst weltweite Probleme schmerzlich bei. Die Flüchtlingsströme, die uns in Europa erreichen, sind Fieberschüben sozialer Ungerechtigkeit. Und die Krankheitsursachen liegen auch in den reichen Ländern. Weil zu wenig getan wird, um den Reichtum gerecht zu verteilen. Eigentlich wäre genug da für alle.
Zwei Drittel der weltweit rund 70 Millionen Flüchtlinge sind Binnenflüchtlinge. Wenn wir nicht umdenken, werden auch viele von Ihnen über die Grenzen gehen. Nicht weil sie wollen, sondern weil sie keinen anderen Ausweg mehr sehen.
Gegen ausweglose Verzweiflung ist keine Mauer gewachsen. Da hilft nur Umdenken, damit sie umkehren können, weil sie in ihrer Heimat bleiben können. Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen, die Ursache des Fiebers sind.

Dazu braucht es vor allem auch mehr Bildung. Viele unserer Projektpartner setzen auf mehr Bildung und zwar für alle. Bildungsgerechtigkeit auch für Mädchen. Bildungerechtigkeit ist eine zentrale Zukunftsfrage. Nur wenn die heranwachsende Generation die Chance auf Bildung hat, kann sie die Zukunft auch selbst gestalten. Bildung macht selbstbewusst gegenüber politischer Manipulation und Unterdrückung.

Und über allem: Friede auf Erden! Das Friedensangebot der Menschwerdung fällt nicht einfach vom Himmel. Es richtet sich an alle Menschen, die guten Willens sind. Und wie Frieden geht, hat Jesus vorgelebt: „Gerechtigkeit schafft Frieden.“
Es ist und bleibt alles eine Frage der Gerechtigkeit. Vor allem die Friedensfrage ist eine Frage der Gerechtigkeit.
Klimagerechtigkeit
Verteilungsgerechtigkeit
Soziale Gerechtigkeit

Und wir müssen uns Menschen gerecht werden. Darum müssen wir miteinander reden, damit wir uns besser verstehen. Darum ist der Dialog so wichtig. Dialog ist wie eine Brücke, die verbindet. Auch und gerade zwischen den Kulturen und Religionen. Das sollte doch gelingen! Durch die Kammern unserer Herzen fließt schließlich dasselbe Blut.
Und der interreligiöse Dialog kann gelingen. Gerade in Burkina Faso kann die Welt erkennen, dass ein gemeinsames Miteinander tatsächlich möglich ist. Auch das grausame Attentat vom 16. Januar vergangenen Jahres konnte daran nichts ändern, im Gegenteil. Umso mehr wir der Gefahr des islamistischen Terrors begegnen, müssen sich alle Menschen guten Willens solidarisieren für das friedliche Miteinander.

Es geht nur gemeinsam in unserer aller Verantwortung für die eine Welt.
Es ist schon viel Gutes gelungen. Das soll Mut machen, weiter zusammenzuwirken für eine gute Zukunft in der Einen Welt. Nur wenn es allen und wirklich allen besser geht, wird es gut gehen in und mit unserer Welt. Dafür will uns Jesus gewinnen.

29.01.2017
Herzlichen Glückwunsch!
Gedanken von Pfarrer Ulrich Lindl zum 4. Sonntag im Jahreskreis  (Mt 5, 1-12a)

In jener Zeit

als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie.

Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

Herzlichen Glückwunsch! Glückwünsche gelten Menschen, die Grund zum Feiern haben. Gratuliere! Glückwunsch! Geburtstage sind einen Glückwunsch wert. Und Erfolge auch. Glückwunsch zum Examen. Glückwunsch zum Führerschein, Glückwunsch zur Beförderung. Wem haben Sie zuletzt gratuliert und wozu?

Bestimmt haben Sie nicht beglückwünscht zu Armut, Trauer und Not. Es wäre ja auch ein Hohn, jemandem zu gratulieren, weil er trauert, hungert und dürstet oder gar verfolgt wird. Aber genauso verrückt sind die Seligpreisungen. Die Seligpreisungen sind ein Glückwunschkonzert der anderen Art. Die Seligpreisungen enthalten Glückwünsche, die wir uns selbst wohl nie wünschen würden und anderen hoffentlich auch nicht.

Selig sind doch nicht die Hungernden, sondern die Satten. Nicht die Armen,  sondern die Reichen. Glückwunsch doch denen, die es zu etwas gebracht haben; und allen, die keinen Grund zur Traurigkeit haben, sondern ganz im Gegenteil: Spaß am Leben.

Mit den Seligpreisungen haben sich die Menschen schon immer schwer getan. Aber sie stehen nun einmal da im Evangelium. Gewiss man kann sich die Ohren zuhalten. Man kann gegen sie wettern und sie als Zumutung bezeichnen; oder man spült sie so weich, dass sie uns gar nicht mehr kratzen. Aber das dürfen wir nicht! Denn Jesus verkündet sie höchst feierlich. Er steigt dazu eigens auf den Berg. Wie einst Mose  auf den Berg Sinai. Er nimmt Platz und verkündet dieses Herzstück seines Evangeliums. Bleiben wir also dran und spüren wir an drei Seligpreisungen den Herzschlag Jesu heraus!

  • Selig, die arm sind… Der Wohlstand hat uns reich gemacht, aber nicht unbedingt glücklicher. Dafür oft selbstvermessen und gottvergessen. Menschen, die arm sind vor Gott, gestehen sich ein, wie sehr wir Menschen Gott doch brauchen.
  • Glücklich die Trauernden. Trauer ist ein großes Vermögen der Liebe. Menschen, die lieben, können auch trauern. Trauer darf darum kein Tabu werden. Selig, wer noch Tränen in seiner Seele bereit hat, mit denen er weinen kann. Nur wer trauert, kann auch getröstet werden. Und nur der Trost verbindet die Wunden und lindert den Schmerz. Selig, die trauern, denn nur sie können getröstet werden.
  • Selig die Sanftmütigen, glücklich, wer keine Gewalt anwendet. Wir alle wissen: Gewalt erzeugt Gegengewalt, dreht die Gewaltspirale nur weiter in die Höhe. Und doch sind die Machthaber irgendwann ihre Macht los. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder. Glücklich, wer spürt, dass es keinen Weg zum Frieden gibt außer Frieden selbst. Darum sind auch all jene selig zu preisen, die Frieden stiften.

Die Seligpreisungen gehen in die Tiefe. Mit ihnen gibt uns Jesus einen Schlüssel zum Glück. Gut so. Wir wissen doch alle, wie wichtig der Hunger nach Gerechtigkeit ist, wie gut Barmherzigkeit tut, und wie sich ein reines Herz anfühlt. Aber alles Reden läuft letztlich ins Leere. Man muss den Schlüssel schon in die Hand nehmen und umdrehen.

So lebenswert die Seligpreisungen auch sein mögen, sind sie auch lebbar? Immer wieder haben es Christen ganz bewusst versucht, ihr Leben nach der Bergpredigt auszurichten. Franz von Assisi fällt mir da ein: Er, der kleine arme Franz, war wirklich arm-selig. Wie reich hat er die Welt doch gemacht. Die ungezählten Märtyrer, die der Gewalt ihren unbedingten Friedenswillen entgegengehalten haben. Nur der Wille zum Frieden kann der Gewalt ein Ende setzen.

Die Seligpreisungen sind bestimmt keine billige Vertröstung, sie sind auch nicht lebensfremd. Sie sind wirklich ein Schlüssel zum Glück. Das in die Tiefe geht. Und so zu Gott findet. Die Seligpreisungen werden so zutiefst eine große Verheißung. Dass wir das vollkommene Glück in Gott finden. Dann -und erst in Gott- werden wir für immer glückselig sein.

22.01.2017
Jesus wirkt!
Gedanken zum Evangelium am 3 Sonntag im Jahreskreis.
von Pfarrer Ulrich Lindl

Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück.
Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali.
Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist:
Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer.
Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie,und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus. Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden. 

 „Mei, schön hat er wieder gepredigt!“
Aber was hat er eigentlich gesagt?
Und vor allem, was hat die Predigt am Ende bewirkt?
Am wenigsten wichtig ist, ob der Pfarrer schön predigt.
Wichtiger ist, was er zu sagen hat, und wen er verkündet.
Am wichtigsten aber ist, was am Ende bleibt und wirklich wirkt.

Der erste Hörer einer Predigt muss immer der Prediger selbst sein. Denn die eigentliche Predigt kommt ja nicht aus dem Computer des Pfarrers, sondern aus Worten der Heiligen Schrift. Ob die Botschaft einer Predigt interessant ist, hängt davon ab, ob sich der Prediger selbst dafür interessiert hat. Ob die Worte der Schrift ihn angesprochen und etwas in ihm ausgelöst haben.

Der Heilige Pfarrer von Ars war so einer, der es richtig gekonnt hat. Er konnte nicht wirklich gut predigen, aber seine Predigten haben gewirkt. Wie viele Menschen hat er mitten ins Herz getroffen, so dass sie umkehren mussten, weil es so nicht weitergehen konnte. Es gab einfach kein Halten mehr!

Von wegen schlecht gepredigt…
Und Paulus geht sogar noch einen Schritt weiter. In seinem Brief an die Korinther, ein von Haus aus eigentlich „anspruchsvolles Publikum“, schreibt er, dass er schlecht predigen muss, eben nicht mit gewandten und klugen Worten.
Damit die Leute nicht an seinen Lippen kleben bleiben, sondern zu Jesus finden. Nicht zu dem lieben Jesulein, das keinem weh tut. Nein, sie sollen hinfinden zum Kreuz, zum gekreuzigten Christus. Und das muss kraftvoll unter die Haut gehen, hinein ins Herz! Da gibt es nichts Schönzureden. „Christus hat mich gesandt, das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird. (1 Kor 1, 17)
Das Kreuz muss betroffen machen von der Hingabe Gottes aus Liebe zu uns. Nur so kann die Kraft des Kreuzes wirken, sich auswirken auf unser Leben und unsere Welt.
Das hat Paulus dann auch getan, mit der Leidenschaft eines Christen, der zu allererst selbst von Christus gepackt wurde.

Und Jesus? Jesus selbst hat ja auch nicht viele Worte gemacht. Keine klugen Bücher geschrieben oder intellektuelle Vorträge gehalten. Er hat die Menschen angesprochen. Wie wenig Worte es dazu braucht, zeigt die Begegnung am See Genezaret: Nur wenige Worte werden gemacht. Alles andere bleibt Begegnung, die es offenbar in sich hatte! Simon und Andreas lassen jedenfalls alles liegen und stehen und folgen Jesus nach.

Jesus muss wirken!
Ja, Jesus muss wirken. Und das tut er auch, wenn man ihn nur lässt. Wieviel Jesus ist drin in der Kirche, in der Verkündigung, in der Theologie und vor allem: steckt Jesus drin in unserem Leben als Christen?
Man redet über den Papst, schimpft auf Bischöfe, feiert Theologen oder kritisiert sie. Und dann zitieren die Medien noch mit Vorliebe das „Zentralkomitee der Deutschen Katholiken“… Allein schon die Bezeichnung…
Man kann alles zerreden, auch den Glauben. Das ist eine Gefahr, denn es verdrängt die eigentliche Frage: An wen glauben wir eigentlich? Das ist ja auch genau der Punkt, auf den Paulus in seiner Predigt hinaus will. Die Gemeinde war sich darüber offenbar alles andere als einig. Und Paulus spricht das Problem deutlich an: „Ich meine, dass jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus – ich zu Apollos – ich zu Kephas – ich zu Christus.“ (1 Kor 1,12) Und weiter fragt er unumwunden: „Ist denn Christus zerteilt? Wurde auch Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?“
Nein, natürlich nicht!

Jesus, Jesus, Jesus!
Paulus ist da ganz entschlossen.
Jesus Christus ist das Fundament, auf dem wir unseren Glauben aufbauen und zugleich der Eckstein, der alles und alle in diesem Glauben zusammenhält. Auf Ihn allein kommt es an. Auf Jesus Christus und zwar als den Gekreuzigten! Er muss wachsen. Und wir mit ihm. Daran hat sich seit Paulus nichts geändert. Wenn wir Jesus wachsen lassen, wird er wirken und unser Glaube an christlichem Profil gewinnen und unsere Kirche auch. Wenn eine Predigt dazu ihren kleinen Beitrag leisten kann, dann ist sie gut gelungen.
Wichtig ist und bleibt, dass von einer Predigt etwas „hängen bleibt“. Dass wir an Christus hängen bleiben, weil er an uns so hängt.

06.01.2017
Taten statt Worte
Gedanken zum Fest der Taufe des Herrn
von Pfarrer Ulrich Lindl

Taten wirken mehr als Worte…:
„Du musst dir noch die Hände waschen!“ Am besten, ich wasche sie mir selbst zuvor. „Du musst noch Danke sagen!“ Das muss man einem Kind nicht sagen, wenn Eltern von Haus aus einen höflichen Umgangsstil pflegen. Karl Valentin hat schon Recht: „Kinder brauchen nicht erzogen werden, sie machen eh alles nach.“ 

Jesus – Gott schreitet zur Tat
In Jesus begegnet uns ein Gott der Tat. Natürlich predigt er auch. Aber zunächst und vor allem  lebt Jesus selbst vor, was er verkündigt.
Heute stehen wir am Ende der Weihnachtszeit am Jordan und damit zugleich an einem neuen Anfang. Nach drei Jahrzehnten im verborgenen Nazareth tritt Jesus erstmals auf als Erwachsener und lässt sich taufen. Wie alle anderen und noch völlig unerkannt reiht er sich ein, um von Johannes getauft zu werden. Ausnahmen, eine Sonderbehandlung oder gar Privilegien gibt es für den Sohn Gottes nicht! Der Name „Immanuel“ passt wirklich gut zu ihm: In Jesus ist Gott wirklich mit uns und zwar ganz.
Und doch stellt sich die Frage nach dem „Warum?“ Warum lässt sich Jesus taufen?
Die Taufe des Johannes war doch ein sichtbares Zeichen der Umkehr, der Sündenvergebung und des Neuanfangs. Welche Umkehr soll Jesus eigentlich vollziehen? Von welchen Sünden reingewaschen werden? Spätestens hier sperrt sich etwas in uns. Und wir geben Johannes Recht. „Eigentlich müsste ich von Dir getauft werden.“ Aber Jesus lässt sich nicht abbringen. Und Johannes taucht Jesus unter und der Sohn Gottes taucht auf. So ist das also…

Reingehen und rausholen
Kennen Sie auch Menschen, die reingehen, um andere rauszuholen?
Da brennt´s! Da muss dann schon einer rein in die Flammen, wenn andere rausgeholt werden sollen. Da geht einer unter! Da muss dann schon einer rein ins Wasser, wenn der andere nicht ertrinken soll.
Mit der Taufe Jesu ist es genauso: Einer muss rein, um alle anderen rauszuholen! Natürlich hatte Jesus selbst keine Sünden. Vor dem Ertrinken retten kann nur einer, der selbst Oberwasser hat… Und n atürlich hätte er sich nicht anstellen müssen… Aber gerade darum muss sich Jesus taufen lassen: Weil er ohne Sünde war. So nimmt er die Sünde der Menschen in aller Öffentlichkeit auf sich. Denn, so sagt Jesus: „Nur so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen.“ (Mt 3, 14) Nur so kann Gott den Menschen wieder ganz gerecht machen. Der Menschensohn erklärt sich solidarisch  mit uns Menschen. Jesus wird zum Sünder für uns. Und er wird die Sünden nicht billig los. Durch die Sünde kam schließlich der Tod in die Welt. Die Sünden der Welt werden Jesus das Leben kosten. Das wird seine zweite Taufe werden. Ja, auch in den Tod musste erst einer reingehen, der uns auch wirklich herausholen kann. Und das kann nur einer: Gott!

Und über den Fluten des Jordan öffnet sich der Himmel. Gott legt sein Glaubensbekenntnis ab: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ (Mt 3,17) Eine Vorahnung von Auferstehung…

Wir sind getauft!
Die meisten von uns sind als Kind getauft worden. Vielleicht haben wir geschrien als das Taufwasser über unser Köpfchen gegossen wurde. Bestimmt aber haben wir noch nicht begriffen, was das geschehen ist. Kein nettes Familienfest in feierlichem Rahmen. Nein, als Christen sind wir auf den Tod und die Auferstehung Jesus Christi getauft. Wir sind von der Sünde Adams befreit und haben neues ewiges Leben empfangen. Das ist dramatisch und zugleich zutiefst erlösend!
„Eintauchen als Mensch, auftauchen als Christ.“ So erkläre ich die Taufe in einem Satz unseren Kommunionkindern. Die Taufe ist ein tiefes Geheimnis, in das wir ein Leben lang mehr und mehr „eintauchen“ müssen.

Dabei hilft uns das Weihwasser. Es ist ein echtes Tauferinnerungswasser. Wenn wir eintauchen –und „taufen“ kommt von „tauchen“- machen wir uns bewusst, dass wir nicht nur Christen heißen, sondern es in Wahrheit auch sind. Und zeichnen wir dann das Zeichen unserer Erlösung über unser Leben: „Ich bin ein Christ.“ Und dann versuchen wir unser Christsein zu leben.

Am Schluss des Matthäusevangelium wird Jesus letzte Worte an die Seinen richten. Letzte Worte sind immer so etwas wie ein Vermächtnis. „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“
Diese Sendung gilt auch uns. „Die Kirche ist in ihrem Wesen nach missionarisch“, bekennt das II. Vatikanische Konzil. Und Mission beginnt immer bei uns, mit jedem getauften und gefirmten Christen. Am besten gleich nebenan. „Verkündet das Evangelium, wenn es sein muss mit Worten!“, ruft Papst Franziskus auf. Glaube ist mehr als Wort Tat.

06.01.2017
Für Weihnachten ist es nie zu spät.
Gedanken zum Fest der Erscheinung des Herrn – Dreikönig
von Pfarrer Ulrich Lindl

Tatsächlich feiern erst heute die Weisen aus dem Osten ihr Weihnachten. Und auch die Ostkirche feiert erst heute ihr Weihnachtsfest.

Die ersten bei der Krippe waren Maria und Josef. Sie haben sich als erste um das Kind gekümmert. Dann waren die Hirten da. Sie hatten es auch nicht weit… Einfache Leute, gewiss, aber mit einem großen Herzen.

Und dann mit einiger Verspätung freuen sich auch die Weisen.

Es werden wohl Sternenkundige gewesen sein. Manche gehen davon aus, dass sie aus Babylon kamen. Eine Hauptstadt der Hochkultur am Euphrat im heutigen Irak. Oder doch aus Palmyra im heutigen Syrien. Dort gab es einen Berg für intensivere Beobachtungen des Sternenhimmels. Im Drei-Königs-Schrein des Kölner Doms werden ihre Reliquien verehrt, eingehüllt in palmyrischen Geweben.

Das Matthäusevangelium spricht von magoi. Das konnten Magier sein oder doch eher Angehörige der medischen Priesterkaste der Mager, die auch Sternkundige in ihrer Mitte hatte. Die Sternenkunde war jedenfalls weit verbreitet. Schließlich glaubte man, dass die Himmelskörper Einfluss nahmen auf die Geschicke der Menschen. Welchen Stern sie wohl aufgehen sehen haben?

Schon 1603 beobachtete der berühmte Astronom Johannes Keppeler die dreifache Begegnung der Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische. So etwas kommt alle 800 Jahre mal vor. Für jüdische Gelehrte galt diese große Himmelsbegegnung, diese „Coniunctio magna“ als Vorzeichen für die Geburt des Messias. Und wirklich: für das wahrscheinliche Geburtsjahr Jesu lässt sich ebenfalls ein derartiges Himmelsereignis datieren. Gut möglich, dass die Weisen in den Schriften der Alten Testamentes gelesen hatten, es lebten ja nicht wenige Juden dort. Wahrscheinlich war ihnen sogar die Weissagung des Bileam vertraut. „Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen, und ein Zepter aus Israel.“ Folgerichtig fragten sie zuerst im Königspalast nach. Dort wusste man von nichts. Erst die Schriftgelehrten konnten Auskunft geben und verwiesen nach Betlehem, aus dem der Stamm des Königs Davids erwachsen war.

In Betlehem begegnen wir den Weisen heute – und die Weisen begegnen dem Kind. Und auch wenn sie als letzte angekommen sind, waren sie doch als erste aufgebrochen. Sie stehen nicht für die nächste Nähe des Glaubens sondern für die große Weite des Himmels und die unendliche Sehnsucht des Menschen nach Gott. Manche Menschen brauchen eben etwas länger. Aber sehnsuchtsvoll aufzubrechen, lohnt sich immer!

An der Krippe sind alle gleich
Und dann? Ist es Ihnen auch aufgefallen? Angekommen an der Krippe, im Angesicht des Kindes, sind alle gleich. Alle fallen auf die Knie, um dem Kind in der Krippe nahe zukommen, und alle schauen sie der Seele Gottes ins Auge. Eines Gottes, der aus Liebe zu uns Menschen Mensch wird – und zwar so und nicht anders. Dem Geheimnis der Menschwerdung Gottes darf man sich nur auf Knien nähern. Nur wenn es dem Menschen gelingt, sich klein zu machen, sich hineinzuknien in dieses abgrundtiefe Geheimnis – wird er das Warum von Weihnachten erspüren können.

An der Krippe sein. Weihnachten feiern und dann wieder aufbrechen. Die Hirten können ihre Schafe schließlich nicht allein lassen, sie gehen zurück zu ihrer Herde. Und die Weisen kehren heim in das ferne Morgenland. Freilich auf anderen Wegen und innerlich verwandelt. Haben sie sich doch von einem Gott berühren lassen, der den Menschen sucht.

Weihnachten mitnehmen dorthin, woher auch wir gekommen sind, um dem Kind in der  Krippe nahe zu sein. Darum geht es nach Weihnachten.  Kehren wir zurück und nehmen wir Jesus mit. Lassen wir ihn nicht in der Krippe liegen. Nehmen wir ihn im Herzen mit.  Weihnachten ist ein Fest der Liebe, in dem das Herz Gottes für uns Menschen schlägt.  Brauchen wir diesen Herzschlag von Weihnachten nicht gerade unterm Jahr, wenn es ja oft so unweihnachtlich zu werden droht?!

An Weihnachten erinnern unsere Sternsinger.
Ihr, lieben Buben und Mädchen, wart an auch an der Krippe. Und nun geht Ihr hinaus zu den Menschen und bringt ihnen die Botschaft von Weihnachten ins Haus. „Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.“ (Lk 2,14) Und das schreibt Ihr auch überall an die Türen, damit wir uns das ganze Jahr auch daran erinnern, was für ein Segen von Weihnachten ausgeht. „Christus Mansionem Benedicat. – Christus segne dieses Haus.“

„Segen bringen – Segen sein.“ Das ist der Auftrag der Sternsinger. Und ist das nicht auch unsere Berufung? Dass wir uns mit dem Segen der Weihnacht auf den Weg machen und Sternsinger sind?

Der Friede fällt dabei nicht vom Himmel. Er wächst heran in einer Welt, die sich um Gerechtigkeit bemüht. Gerechtigkeit erst schafft Frieden. In diesem Jahr blicken wir mit der Dreikönigsaktion in den Norden Kenias. In ein Gebiet, in dem Nomaden noch heute so leben wie die Hirten damals. Und doch hat sich für sie in kurzer Zeit das Leben dramatisch verändert. Der Klimawandel führt zu anhaltenden Dürreperioden. Wasser und Weideland werden immer knapper. Es kommt zu Auseinandersetzungen unter den Stämmen. Es geht ums Überleben. Den Klimawandel verursachen die reichen Länder, die armen Länder tragen die verheerenden Folgen. Das ist ungerecht. Und Ungerechtigkeit schafft keinen Frieden. Das sollte uns zu denken geben und zum Handeln herausfordern.

Mehr als 300 000 Sternsinger machen sich auch dafür auf den Weg. Die alljährlich größte Kinder- und Jugendaktion in unserem Land erbringt rund 50 Millionen Euro an Spenden, die vom Kindermissionswerk in Aachen verwandt werden, um Kindern mehr gerecht zu werden.

Begegnen wir hier nicht noch einmal der Mitte von Weihnachten? Gott ist Mensch geworden für alle Menschen. Und ist seine Krippe nicht das Herz der Menschen, die guten Willens sind?! Mit Weihnachten im Herzen werden wir die Welt verändern. Machen wir uns mit den Sternsinger dafür auf den Weg.

01.01.2017
Der schwarze Punkt
Gedanken zum neuen Jahr von Pfarrer Ulrich Lindl

Da kommt ein Professor in den Hörsaal und verteilt ein Aufgabenblatt. Die Studenten fordert er auf, die Angabe umzudrehen. Zur Überraschung aller finden sich auf der Rückseite keine Fragen – da ist nur ein schwarzer Punkt in der Mitte der Seite.
Der Professor hilft weiter: „Schreiben Sie nur das auf, was Sie dort sehen.“ Die Studenten sind verwirrt, aber machen sich dennoch gleich an die Arbeit. Am Ende der Stunde sammelt der Professor alle Antworten ein. Alle Studenten ohne Ausnahme haben den schwarzen Punkt beschrieben – seine Position in der Mitte des Blattes, seine Lage, sein Größenverhältnis zum Papier…

Mit einem Lächeln stellt der Professor fest: „Ich wollte Ihnen eine Aufgabe zum Nachdenken geben. Ist es Ihnen aufgefallen? Niemand hat etwas über den weißen Teil des Papiers geschrieben. Jeder hat sich auf den schwarzen Punkt konzentriert – genau das gleiche geschieht in unserem Leben. Wir haben ein weißes Blatt erhalten, um es möglichst kreativ zu gestalten, aber wir konzentrieren uns allzu oft auf die dunklen Flecken. Unser Leben ist doch ein Geschenk, das wir liebevoll und aufmerksam hüten sollten. Gibt es denn nicht immer einen Grund sich des Lebens zu freuen?  Die Schönheit der Schöpfung, Menschen, die wir lieben, Lebensaufgaben, die uns erfüllen, die vielen kleinen Wunder, die wir jeden Tag entdecken… Und doch achten wir so oft nur auf die dunklen Flecken – gesundheitliche Probleme, Schwierigkeiten mit anderen, enttäuschte Erwartungen… Aber sind diese dunklen Flecken nicht klein im Vergleich zu all dem, was wir in unserem Leben an Gutem haben? Und doch gelingt es ihnen,  uns zu beschäftigen und unsere Lebensfreude zu trüben.

Nehmen wir die schwarzen Punkte wahr, bringen wir die Dinge auf den Punkt… Aber richten wir unser Augenmerk noch mehr auf das weiße Papier und damit auf die Möglichkeiten, die uns gegeben sind… und all die glücklichen Momente, die auf uns warten! Und bringen wir Farbe in unser Leben! Wie hat es doch der russische Expressionist David Burljuk so treffend ins Wort gebracht: „Leben wird durch das Prisma des Erlebens zum schöpferischen Leben des Lebens.“ Das ist dann wohl auch ganz im Sinne unseres Schöpfers. Denn „was kann der Schöpfer lieber sehen, als ein fröhliches Geschöpf?!“ (G.E. Lessing)

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Am Beginn eines neuen Jahres halten wir Ausschau nach dem, was wir brauchen im Blick auf, das was kommt.

Wir brauchen Vertrauen – Vertrauen wächst aus Glauben, dass es Menschen gut mit uns meinen und wir  nicht Kinder des Zufalls sind, sondern unter der Verheißung Jesu leben: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Wir brauchen Gelassenheit – denn das Nebenbei und Vielerlei macht unser Leben oft getrieben und hektisch. Gelassenheit aber gewinnen wir im Blick auf das Wesentliche.

Wir brauchen Aufmerksamkeit – denn das Leben erleben wir in vielen kleinen Augenblicken, die uns oft überraschend geschenkt werden.

Wir brauchen Lebensfreunde, weil sie uns immer wieder dankbar zurückschauen und erwartungsvoll in die  Zukunft blicken lässt.

Deshalb brauchen wir Dich, unseren Gott,
weil Du unserem Leben Vertrauen schenkst
weil unsere Seele in Dir Ruhe findet und Gelassenheit
weil Du uns die Augen öffnest für das, worauf es wirklich ankommt.
weil durch Dich unser Leben Gott-froh wird und wir mit Dir am Ende für immer  glücklich.